Worauf sich Gebäudeenergieberater einstellen müssen

Um es kurz zu machen: Die von den Bundesministerien für Wirtschaft und Technologie (BMWi) und für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS), dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) und der Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW Bankengruppe beschlossene, einheitliche Expertenliste kommt. Thomas Buczkowski, Mitglied im GIH Baden-Württemberg, erklärt den Stand der Dinge.


Nach der Übergangszeit soll die Qualifikation nur noch über Weiterbildung in den Modulen Beratung für die Vor-Ort-Beratung sowie Umsetzung und Planung für die Planung und Baubegleitung für KfW-Effizienzhäuser 40 und 55 nachgewiesen werden können.

Aufgesetzt und weitergeführt unter www.energie-effizienz-experten.de durch die Deutsche Energie-Agentur (Dena) wird sie die bisherige Liste des Bafa „Energieberatersuche“ für Vor-Ort-Beratungen ersetzen. Beratungen sollen ab diesem Stichtag nur noch dann bezuschusst werden, wenn der Energieberater auf der neuen Expertenliste eingetragen ist. Im Laufe des Jahres 2012 ist beabsichtigt, die Expertenliste auch auf die in den Förderprogrammen der KfW-Effizienzhäuser 40 und 55 geforderte Planung und Bauleitung zu erweitern.

Alle anderen Dienstleistungen qualifizierter Energieberater, die Ausstellung von Energieausweisen sowie KfW-Bestätigungen für 70-, 85-, 100- und 115-Effizienzhäuser nebst Baubegleitung sind vom Eintrag in die Expertenliste nicht betroffen.

Zulassung

Das Angebot zur Listung in der neuen Expertenliste richtet sich an alle am Markt tätigen und qualifizierten Energieberater. Vom 4. Oktober 2011 bis voraussichtlich 30. Juni 2012 dauert die Übergangszeit. Beratern mit gültiger BAFA-Nummer, steht der Eintrag in die neue Liste, ohne besonderen Nachweis der Befähigung, offen. Die Bafa-Nummer des Beraters gilt als Nachweis.

„Versteckt“ gelistete Berater, also Berater mit Bafa-Nummer, die aktuell nicht auf der Bafa-Liste geführt sind, mit Abschluss ihrer Weiterbildung vor dem 1. Oktober 2007, müssen zusätzlich eine Weiterbildung im Bereich des energiesparenden Bauens und Sanieren mit einem Umfang von mindestens 16 Unterrichtseinheiten nachweisen, die sie nach dem 1. Oktober 2009 besucht haben.

Für Neueinträge gelten in der Übergangszeit die gleichen Vorraussetzungen wie für einen Eintrag in die aktuelle Bafa-Liste. Die Befähigung ist durch eine Grund- und Zusatzqualifikation nachzuweisen. Die Grundqualifikation ist eine Ausstellungsberechtigung für Energieausweise nach Paragraf 21 Energieeinsparverordnung (EnEV) 2009. Hinter der Zusatzqualifikation verbirgt sich eine erfolgreich absolvierte Weiterbildung, die in Anlage 3 der Richtlinie über die Förderung der Beratung zur sparsamen und rationellen Energieverwendung in Wohngebäuden vom 10. September 2009, näher beschrieben ist.

Begonnene Ausbildungen, die den Anforderungen gemäß Anlage 3 der Richtlinie entsprechen, können nach erfolgreichem Abschluss während der Übergangszeit, ebenfalls die Aufnahme in die Expertenliste beantragen. Dies ist sogar dann noch möglich, wenn die Ausbildung nachweislich in der Übergangszeit begonnen wurde und erst nach deren Ablauf endet.

Mit Ablauf der Übergangszeit treten für die Zusatzqualifikation geänderte Anforderungen an die Ausbildungsinhalte in Kraft. Diese werden derzeit mit den Ausbildungsträgern abgestimmt und müssen nach Ablauf der Übergangszeit zur Aufnahme in die Expertenliste nachgewiesen werden.

Achtung Stolperfalle

Bitte beachten: Mit Ablauf der Übergangszeit – voraussichtlich ab 1. Juli 2012 – sollen bereits erworbene Weiterbildungen als Qualifikation zur Expertenliste ihre Gültigkeit verlieren. Die erforderliche Qualifikation soll dann nur noch über eine erfolgreich absolvierte Weiterbildung, bestehend aus den Modulen Beratung für die Vor-Ort-Beratung sowie Umsetzung und Planung für die Planung und Baubegleitung für KfW-Effizienzhäuser 40 und 55 nachgewiesen werden können. Diese wird zurzeit mit den Weiterbildungsträgern abgestimmt. Zudem sollten Energieberater die noch nicht abgeschlossene Neugestaltung für Planung und Bauleitung bei den KfW-Effizienzhäusern 40 und 55 sehr genau beobachten, um hier keine Nachteile zu bekommen.

Rezertifizierung und Unabhängigkeit

Eine Besonderheit der neuen Expertenliste ist die Rezertifizierung alle zwei Jahre. Der Experte ist verpflichtet, Praxiserfahrung sowie mindestens 16 besuchte Unterrichtseinheiten an Weiterbildungen nachzuweisen. Als Nachweise gelten Teilnahmebescheinigungen sowie erbrachte Planungsleistungen oder Baubegleitungen für Bauvorhaben von KfW-Effizienzhäuser. Stichprobenkontrollen und Plausibilitätschecks neutraler Experten sollen sicherstellen, dass die Leistungen fachgerecht und unter Einhaltung der Grundsätze der Anforderungen durchgeführt wurden.

Auch bei der Expertenliste müssen die Unabhängigkeitskriterien erfüllt werden. Wie bisher soll damit sichergestellt werden, dass mit der Energieberatung kein wirtschaftliches Eigeninteresse an Investitionsentscheidungen des Kunden verfolgt wird. Unabhängigkeitskriterien für Planung und Baubegleitung der KfW-Effizienzhäuser befinden sich derzeit noch in der Abstimmung, sodass dazu noch keine Aussagen getroffen werden können.

Die Kosten für die Expertenliste

Für die Expertenliste werden ab 1. Januar 2012 Beiträge zur Deckung der Kosten für Homepage und Betreuung erhoben. Als einmalige Eintragungsgebühr fallen im ersten Jahr 150 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer an. Für die folgenden Jahre beträgt die Jahresgebühr 100 Euro plus Mehrwertsteuer. Für organisierte GIH-Mitglieder sowie bereits gelistete Effizienzhaus-Experten oder Aussteller von Energieausweisen mit Dena-Gütesiegel gelten gesonderte Beitragssätze.

Bitte beachten: Voraussichtlich ab 1. Juli 2012 sollen bereits erworbene Weiterbildungen als Qualifikation zur Expertenliste ihre Gültigkeit verlieren. Sie werden durch neue Weiterbildungsinhalte, bestehend aus den Modulen „Beratung“ sowie „Umsetzung und Planung“ ersetzt. Sie werden zurzeit mit den Weiterbildungsträgern abgestimmt.

GIH-Mitglieder müssen ihre Zugehörigkeit zum GIH eindeutig im Online-Formular kenntlich machen. Hintergründe:

1. Die GIH-Mitgliedsverbände überprüfen die Qualifikation ihrer Mitglieder selbst.

2. Mitglieder der GIH-Landesverbände erhalten den Listeneintrag zu Sonderkonditionen.

Wichtig: Die eindeutige Kennzeichnung der Verbandszugehörigkeit ist im Anmeldeformular derzeit noch nicht möglich. GIH-Mitglieder registrieren sich entweder vorab unter www.energie-effizienz-experten.de und werden dann von der Dena zur Vervollständigung ihres Antrags aufgefordert, oder sie geben dem GIH die Freigabe für eine Sammelmeldung aller Mitglieder aus der GIH-eigenen Energieberaterdatenbank.

GIH-Mitglieder zahlen für die einmalige Eintragungsgebühr inklusive Jahresgebühr im ersten Jahr 100 Euro. In den Folgejahren wird die Jahresgebühr 50 Euro betragen. Für bereits gelistete Effizienzhaus-Experten oder Aussteller von Energieausweisen mit Dena-Gütesiegel wird ebenfalls die einmalige Eintragungsgebühr fällig. Der Jahresbeitrag allerdings soll in den Folgejahren mit den anderen Beiträgen so verrechnet werden, dass keine zusätzlichen Kosten anfallen. Alle Beträge verstehen sich zuzüglich Mehrwertsteuer. Unabhängigkeitskriterien und Rezertifizierung dienen der Qualitätssicherung in der Energieberatung. Die Maßnahmen schaffen Transparenz für den Verbraucher und sorgen für Informations- und Beratungssicherheit.

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