„Wir wollen Vermieter und Mieter sensibilisieren.“

Der Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW-Solar) und der Deutsche Mieterbund wollen die energetische Modernisierung mit Sonnenenergie im Wohnungsbau vorantreiben. Sie setzen sich gemeinsam für solarthermische Großanlagen für den Geschoßbau mit 20 oder mehr Wohneinheiten und gegen steigende Betriebskosten ein. Das Credo der beiden Verbände: Die solare Modernisierung stelle für die Vermieterseite keine Kostenbelastung dar. Denn: Die Investitionen seien umlagefähig und würden zudem vom Staat gefördert. Für die Mieter erzeugten die erreichbaren Heizkostensenkungen trotz Umlage der Investitionen auf die Kaltmiete keine steigenden Warmmieten. Trotz dieser Win-Win-Situation werden die Möglichkeiten der solarthermischen Großanlagen im Wohnungsbau nach Ansicht der beiden Verbände zu wenig genutzt. Im Gespräch erläutern Carsten Körnig, Geschäftsführer von BSW-Solar, und Lukas Siebenkotten, Direktor des DMB, ihre Position.


Zwei, die sich einig sind: Carsten Körnig, Geschäftsführer von BSW-Solar, (links) und DMB-Direktor Lukas Siebenkotten (rechts) wollen sich dafür einsetzen, dass Solarthermie im großen Maßstab in der Wohnungswirtschaft ein Standard der energetischen Modernisierung wird.

Körnig: „Energieeffizienz und die Nutzung Erneuerbarer Energien in Eigenregie sind die Stichworte, mit denen wir angetreten sind. Unsere Technologien für das solare Heizen bieten auch für den Geschosswohnungsbau Lösungen zur Kostensenkung. für die Umsetzung einer Solaren Modernisierung werben wir deshalb bei allen Beteiligten um Unterstützung. Ihr Potenzial ist in Deutschland ein schlafender Riese, der nur gemeinsam geweckt werden kann.“
Siebenkotten: „In diesen Fragen ziehen wir am gleichen Strang, auch wir wollen die gestiegenen Heizkosten zurückdrängen. Erneuerbare Energien sind aus Klimaschutzgründen allen anderen Lösungen vorzuziehen. Wenn wir beides zusammen kriegen, ist das optimal.“
Körnig: „Umfragen weisen eindeutig darauf hin, dass in der Bevölkerung für Erneuerbare Energien nicht nur Sympathie, sondern auch zunehmend Handlungsbereitschaft vorhanden ist. Dieses Thema muss in den Unternehmen der Wohnungswirtschaft zur Chefsache werden. Es ist aus unserer Sicht aber auch  notwendig, die Mieter mit ins Boot zu nehmen.“
Siebenkotten: „Um da voran zu kommen, sind erfolgreiche Beispiele einer Solaren Modernisierung entscheidend. Die Unternehmen können voneinander lernen. Aber nicht nur die privaten Hauseigentümer, auch der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) steht hierbei leider auf der Bremse. Mein Eindruck ist, die meinen, „lass man genug sein“ und bringen Energieeffizienz und Heizkostensenkung nicht wirklich voran.“
Körnig: „Die berühmten Leuchtturmprojekte sind längst installiert. Mit über 100 Anlagen allein in Berlin und Brandenburg beweisen zahlreiche Unternehmen, dass es sich rechnet. Einige haben das Stadium der Pilotprojekte längst hinter sich gelassen und sind auf der nächsten Stufe angelangt sind. Es geht inzwischen um eine solare Bestandsmodernisierung.“
Siebenkotten: „Stichwort Warmmietenneutralität, das ist für mich der Schlüssel, nämlich nicht irgendwann mal einen versprochenen Break Even zu erreichen, sondern sofort Warmmietenneutralität, vom ersten Tag an, zu garantieren.“
Körnig: „Ja, mit einer Solaren Heizzentrale können die Heiz- und Warmwasserabrechnungen sofort anders ausfallen. Zudem hat die bisherige Intransparenz ein Ende. Mit einem modernen Online-Monitoring erreichen wir eine gläserne Heizung. Einsparungen infolge des Solareinsatzes und einer effizienteren Heiz- und Regelungstechnik können leichter nachgewiesen werden.“
Siebenkotten: „Ich stimme Ihnen zu, wir müssen das in Richtung der Vorstände der Wohnungsunternehmen transportieren. Aber auch bei den Mietern sind die Vorteile einer Solaren Modernisierung noch nicht angekommen. Das können wir ändern und die Warmmietenneutralität ist der Schlüssel dazu. Beide Seiten davon zu überzeugen, hat etwas von „kommunizierenden Röhren“.“
Körnig: „Wichtig ist die Tatsache der Umlagefähigkeit einer Solaren Modernisierung nach § 559 BGB. Das BGH-Urteil vom September 2008 in Sachen Einsparung von Primärenergie sollte nun auch den Vermieter ins Boot holen, denn er muss ja nicht mehr auf den Investitionskosten sitzen bleiben.“
Siebenkotten: „Der Hauptkonflikt liegt in der fehlenden Information und der mangelnden Kenntnis, da die Umlagefähigkeit grundsätzlich gegeben ist, selbst wenn sich die Kaltmiete an der Obergrenze eines regionalen Mietspiegels befindet. Aber bei einer Solaren Modernisierung können die warmen Betriebskosten derart sinken, dass sie zur Entlastung bei der Warmmiete führen. Da beziehen wir klar Position und befürworten dies.“
Siebenkotten: „Lassen Sie mich noch ein Wort zum Thema Eigenregie anfügen. Das gefällt uns weit besser, als wenn der Vermieter ein Contracting-Unternehmen einschaltet. Dann kommen die Einsparungen auch viel eher beim Mieter an, als wenn ein Externer, also der Contractor, noch seinen Gewinn draufsattelt.“
Körnig: „Die solare Modernisierung in Eigenregie bietet die Alternative, denn sie orientiert sich an den Bedürfnissen der Unternehmen wie der Mieter. Die Vorstände müssen aber die Initiative ergreifen. Dann können sie genauso von der Modernisierungsumlage profitieren wie die Mieter von den niedrigeren Heizkosten.“
Siebenkotten: „Entscheidend ist, dass die Warmmiete nicht steigt und dass das zwischen Vermieter und Mieter auch und gerade bei einer schwierigen Marktlage klargestellt wird.
Körnig: Mit der Botschaft, dass die solare Modernisierung umlagefähig und warmmietenneutral ist, können wir gemeinsam althergebrachte Vorurteile auflösen, Ökonomie und Ökologie in der Wohnungswirtschaft endlich versöhnen und die Diskrepanz zwischen gewolltem und praktizierten Klimaschutz hoffentlich schnell abbauen.“
Siebenkotten: „Ja, wir brauchen eine offene Kommunikation. Ich bin optimistisch, dass mehr und mehr Vermieter konstruktiv auf ihre Mieter zugehen. Der DMB wird sich mit seinen regionalen Mieterverbänden dafür engagieren, auch die Mieter für dieses Thema zu sensibilisieren.“

Schreibe einen Kommentar