Sonnenkraft im Großformat

Die Gemeinnützige Wohnstätten schafft mit dem Sonnenquartier im niedersächsischen Wolfenbüttel den Spagat zwischen guter Infrastruktur und bezahlbaren Mieten. Ein wichtiger Baustein ist das Energiekonzept: Ein intelligentes Heizsystem kombiniert kostenlose Energie von der Sonne und aus der Erde mit effizient erzeugter Wärme aus modernen Gas-Brennwertgeräten. Das bedeutet maximale Effizienz für die Vermieter – und deutlich geringere Nebenkosten für die Mieter.


Oben: Die Solare Großanlage LSS-TC ist für bis zu 40 Wohneinheiten ausgelegt. Die Energiezentrale verbindet die Solaranlage mit einer Sole/Wasser-Wärmepumpe, einem Gas-Brennwertgerät, den Speichern, den Heizkreisen sowie den Warmwasserzapfstellen.

Unten: Auf dem Bild waren die Bauarbeiten im Sonnenquartier in Wolfenbüttel noch in vollem Gange. Von Mai 2009 an sind mehr als 50 Wohnungen, mehrere Geschäftsräume und Wohneinheiten mit betreutem Wohnen in vier Gebäudekomplexen bezugsfertig.

Mit einem Gesamtvolumen von acht Millionen Euro und insgesamt 4100 Quadratmetern Fläche zählt das Sonnenquartier zu den größten Bauvorhaben Wolfenbüttels in den vergangenen Jahren. Seit Februar 2009 sind die ersten beiden Gebäude bezugsfertig, zwei weitere folgten im Mai. Insgesamt umfasst das Sonnenquartier mehr als 50 Wohnungen. „Wir bieten die komplette Bandbreite: von der 50-Quadratmeter-Wohnung bis zur Vier-Zimmer-Maisonette-Wohnung mit mehr als 100 Quadratmetern“, sagt Christoph Kowollik, Vorstandsvorsitzender der Gemeinnützigen Wohnstätten. Das Unternehmen verwaltet in der 56.000-Einwohner-Stadt mehr als 1300 Wohnungen. „Lebensraum muss heute einerseits attraktiv sein, andererseits bezahlbar bleiben. Sonst stehen die Wohnungen zu lange leer.“ Was Kowollik genau meint, wird beim Sonnenquartier deutlich: Einzelhändler und Bushaltestellen sind schnell zu Fuß zu erreichen. Weil die meisten Einheiten barrierearm gestaltet wurden, sind sie auch für Menschen mit Behinderung sehr interessant. „Allerdings können die Rahmenbedingungen noch so gut sein: Wenn die Mieten zu hoch sind, verliert jede Wohnung schnell an Attraktivität“, sagt Kowollik. Weil die Heizkosten einen wesentlichen Teil der Mietkosten ausmachen, haben die Gemeinnützigen Wohnstätten Wert auf ein wirtschaftliches und vor allem zukunftsfähiges Heizsystem gelegt.

Die Sonne im Fokus

„Wir wollten größtmögliche Unabhängigkeit von der Preisentwicklung fossiler Energieträger. Dann sind die Kosten dauerhaft planbar und die Wohnungen somit für potenzielle Mieter interessant“, ist Kowollik überzeugt. Gleichzeitig hatten die Gemeinnützigen Wohnstätten beim Bau des Sonnenquartiers die Ziele, die Umwelt so wenig wie möglich zu belasten und den Mietern ein komfortables Heizsystem zu bieten. Im Prinzip genau die Anforderungen, die zum Beispiel mit der Nutzung von Solarenergie erfüllt werden können. „Allerdings sind Solaranlagen für derart große Gebäude sehr komplex, die Planung eine echte Herausforderung“, sagt Kowollik. Thermotechnik-Spezialist Junkers bietet jedoch ein Großanlagenkonzept für Mehrfamilienhäuser und Wohnanlagen wie die der Gemeinnützigen Wohnstätten. Das Large Solar System (LSS) eignet sich für die Einbindung in bestehende Systeme oder für Neubauten mit drei bis 200 Wohneinheiten.

Im Wolfenbütteler Sonnenquartier bildet je ein LSS für zwei Wohnkomplexe den Kern des Energiekonzeptes. Das LSS als Energiezentrale verbindet die Solaranlage mit den weiteren Wärmeerzeugern. Ziel der Gemeinnützigen Wohnstätten war es, die Energieversorgung zu ungefähr 75 Prozent durch die Nutzung regenerativer Energieträger zu decken. Die zweite Säule des Energiesparkonzepts bildet deshalb die kostenlose Energie aus der Erde. Probebohrungen ergaben gute Voraussetzungen für die Wärmepumpeninstallation. Je eine Wärmepumpe und ein Gas-Brennwertgerät sind pro LSS angeschlossen. Die Brennwertgeräte decken die Anforderungen in Spitzenzeiten. Eine intelligente Regelung übernimmt das komplette Wärmeenergiemanagement.

Große Anlage für große Aufgaben

Der Junkers-Außendienstmitarbeiter empfahl den Gemeinnützigen Wohnstätten für die vier Wohnkomplexe zwei Großanlagen LSS-TC. Die beiden Anlagen versorgen mehr als 50 Mietwohnungen, einen Bereich für betreutes Wohnen und mehreren gewerblich genutzten Flächen. Sie eignen sich jeweils für bis zu 200 Wohneinheiten, in Wolfenbüttel sind sie jeweils für bis zu 40 Wohneinheiten ausgelegt. „Die von Junkers vorgeschlagene Lösung deckt sich komplett mit unseren Anforderungen“, sagt Kowollik. Mit den beiden LSS-TC lässt sich die Kraft der Sonne außer zur Warmwasserbereitung auch zur Heizungsunterstützung nutzen. Eine Anlage versorgt je zwei Gebäudekomplexe mit Wärme. Der Einbau war einfach: Beide LSS-TC sind in je einer ungefähr 25 Quadratmeter großen Heizzentrale unmittelbar neben den Häusern untergebracht. Weil sämtliche Baugruppen komplett vormontiert und bereits vorverkabelt sind, mussten die Installateure nur noch die Hydraulik-, Strom- und Außenfühleranschlüsse herstellen. Bei der Planung konnten die Anlagenkomponenten aufgrund des modularen Systemaufbaus einfach an die Anforderungen angepasst werden. Jede LSS-TC setzt sich aus verschiedenen, je nach Einsatzzweck exakt zu dimensionierenden Modulen zusammen: einem ,Solarmodul‘, einem Modul ,Heizkreis-/Primäreinspeisung/Puffer-Be- und -entladung‘ und einem Modul ,Trinkwarmwasserbereitung.

Die beiden LSS verbinden jeweils die Solaranlage mit der Wärmepumpe, dem Gas-Brennwertgerät, den Puffer- und Warmwasserspeichern, den Heizkreisen und den Warmwasserzapfstellen. Bei den Wärmepumpen hat das Planungsbüro eine Sole/Wasser-Wärmepumpe mit 33 Kilowatt Leistung und eine mit 52 Kilowatt Leistung ausgewählt. Die Kollektoren mit 24 beziehungsweise 34 Quadratmeter Fläche sind nach Süden ausgerichtet und liefern dadurch die maximal mögliche Ausbeute an Solarerträgen. Die Wärmepumpen beziehen die kostenlose Energie aus dem Erdreich über insgesamt 17 je 100 Meter tiefe Sonden. Für Spitzenzeiten sind beide Energiezentralen mit je einem wandhängenden Gas-Brennwertgerät mit 65 und 90 Kilowatt Leistung verbunden. Zudem sind zwei 1000-Liter-Pufferspeicher und ein 500-Liter-Warmwasserspeicher pro Energiezentrale angebunden.

Sparen an der richtigen Stelle


Die LSS übernimmt das gesamte Warmwasser- und Heizenergiemanagement für die vier Wohnkomplexe. Dank intelligenter Regelungstechnik wird die Solarenergie je nach Verbrauch und Wetter dort genutzt, wo am meisten gespart werden kann. Nach dem Prinzip „Verbrauch vor Speicherung“, wird erst dann einer der vier Pufferspeicher beladen, wenn sonst aktuell kein Bedarf besteht. Durch dieses effiziente Zusammenspiel der unterschiedlichen Bausteine sinkt der Energieverbrauch deutlich, die Speicher können geringer dimensioniert werden. „Mit den Solaren Großanlagen haben wir die Energiekosten dauerhaft im Griff“, ist Kowollik überzeugt. Per Datenfernübertragung können die Gemeinnützigen Wohnstätten die beiden LSS-TM permanent überwachen. Zusätzlich erhält das Unternehmen eine regelmäßige Ertragsauswertung seines Systems. Das ermöglicht eine hohe Betriebssicherheit.

Maximaler Komfort für die Bewohner

Die Bewohner des Sonnenquartiers profitieren nicht nur von den moderaten Nebenkosten, sondern auch vom hohen Komfort des Energiesparsystems. Fußbodenheizungen sorgen für behagliche Wärme in den einzelnen Wohnungen. Und die kostenlose Wärme von Sonne und Erde liefert in der Regel so viel Energie, dass für die Bewohner genügend Wärme zur Verfügung steht. Erst wenn die Energie aus regenerativen Quellen nicht ausreicht, kommen im Spitzenlastfall die Gas-Brennwertgeräte zum Einsatz.

Schon jetzt ist Christoph Kowollik von den beiden Anlagen mit den Solaren Großanlagen von Junkers als Energiezentralen überzeugt. „Sie sind ein wichtiger Baustein, um die hohe Attraktivität des Sonnenquartiers für die Mieter dauerhaft zu sichern und damit Leerstände zu vermeiden.“ Von Beginn an profitieren die Mieter von der warmmietneutralen Investition: „Die durch die hochwertige Anlage etwas höhere Miete wird durch den geringeren Energieverbrauch und die damit einhergehenden sinkenden Energiekosten neutralisiert“, resümiert der Vorstandsvorsitzende. Langfristig erwarten die Gemeinnützigen Wohnstätten sogar eine Ersparnis von 9 Cent pro Quadratmeter für die Mieter. Das große Interesse an den Wohnungen zeigt, dass das Unternehmen mit seinem Konzept richtig liegt: Viele Wohnungen sind bereits vermietet. Auch ein Apotheker und ein Arzt werden ihre Geschäftsräume künftig in einem der vier Wohnkomplexe haben.

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