Photovoltaik auf dem Vormarsch

Wirtschaftlich, verlässlich, sicher und sauber soll die zukünftige Stromversorgung in Deutschland sein. Das ist das Koordinatensystem, dem die politisch beschlossene und gesellschaftlich gewünschte Energiewende folgt. Wer die Schlagzeilen der vergangenen Wochen Revue passieren lässt, könnte zu dem Schluss kommen, diese Ziele seien nie zu erreichen.


Bis 2020 steigt der Anteil der Solarenergie am Strom-Mix schätzungsweise auf mindestens 10 Prozent. Seit 2009 konnte die Förderung neuer Solarstromanlagen durch technologischen Fortschritt, internationalen Wettbewerb und Massenfertigung von Solarzellen und -modulen um rund 60 Prozent gesenkt werden.

Mehr als 1,3 Millionen Photovoltaik-Anlagen erzeugen hierzulande bereits Strom, überwiegend vor Ort auf dem eigenen Hausdach.

Der Strom nach der Energiewende wird zum Luxusgut, die Energiearmut ist nicht aufzuhalten und wegen der abgeschalteten Kernkraftwerke sind Blackouts zu befürchten. In der Debatte findet sich jedoch wenig zu den bereits erreichten Meilensteinen – vor allem lässt sie die Kosten immer wieder genannter Alternativen außer Acht. Denn auch ohne die Energiewende und ohne den Ausbau erneuerbarer Energien müssten in den nächsten Jahren hohe Milliardenbeträge investiert werden, um den alternden Kraftwerkspark zu ersetzen und die Stromnetze zu modernisieren. Der mehrheitliche Anteil der in Betrieb befindlichen Kohle- und Atomkraftwerke ist noch unter Monopolmarktbedingungen in beiden deutschen Staaten errichtet worden. Die Kernfrage ist also nicht, ob Deutschland in das Energiesystem investiert, sondern vielmehr, auf welche Formen der Energieerzeugung der Zukunft wir setzen.

Viele Menschen in Deutschland haben diese Frage schon für sich beantwortet. Mehr als 1,3 Millionen Photovoltaik-Anlagen erzeugen hierzulande bereits Strom, überwiegend vor Ort auf dem eigenen Hausdach, mit weiterhin steigender Tendenz. Dieses Jahr wird die Solarstrommenge gegenüber 2007 um das Neun- bis Zehnfache wachsen und Photovoltaik damit fast 5 Prozent zur gesamten Stromerzeugung beitragen. Insgesamt stammen heute schon etwa 25 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien. Dies ist ein großartiger Erfolg, der diesen Technologien in deren Anfangsphase nie zugetraut wurde.

Demokratisierung und Dezentralisierung der Stromerzeugung

Photovoltaik bringt durch ihre Art der Einsetzbarkeit ein fünftes Ziel in das Koordinatensystem der Energiewende ein: die Demokratisierung und Dezentralisierung der Stromerzeugung. Eine deutliche Mehrheit der erneuerbaren Energieerzeugungsanlagen ist von Familien, Bürgergemeinschaften, Landwirten, Stadtwerken oder anderen Investoren auf den Weg gebracht worden.

Bis 2020 steigt der Anteil der Solarenergie am Strom-Mix schätzungsweise auf mindestens 10 Prozent. Der weitere Ausbau der Photovoltaik wird dabei kostenseitig kaum noch ins Gewicht fallen. Allein seit 2009 konnte die Förderung neuer Solarstromanlagen durch technologischen Fortschritt, internationalen Wettbewerb und Massenfertigung von Solarzellen und -modulen um rund 60 Prozent gesenkt werden. Ähnliche Preissenkungskurven kann außer der Chipindustrie keine andere Branche vorweisen. Es gilt daher auch weiterhin, die für einen zukünftigen Ausbau der Sonnenenergie erforderlichen Rahmenbedingungen sicherzustellen. Zuvorderst zu nennen ist der Einspeisevorrang für regenerativ erzeugten Strom. Erst durch die Vorfahrt im Stromnetz können erneuerbare Energien gegen die längst abgeschriebenen Kohle- und Atomkraftwerke bestehen, welche keine Kapitalkosten einspielen müssen.

Schrittweiser Umstieg technisch machbar und finanzierbar

Die Investitionen in erneuerbare Energien ermöglichen deutliche Fortschritte beim Klimaschutz und bei langfristig finanzierbaren Strompreisen. Finanzierbar sind diese vor allem deshalb, weil wir uns dadurch vom weiteren Anstieg der Rohstoffpreise und der Kosten für Emissionszertifikate unabhängiger machen. Der volkswirtschaftliche Nutzen dieser Weichenstellung ist zudem überaus positiv, wenn Emissionen, Arbeitsplätze, Steuern, konsuminduzierte Effekte etc. ganzheitlich betrachtet werden. Die weltweite Nachfrage nach Solartechnik wird auch in den nächsten Jahren weiter wachsen. Damit Deutschland aus seiner bereits heute erreichten weltweiten Pionierrolle auch weiterhin wirtschaftliche Vorteile ziehen kann, sind faire Wettbewerbsbedingungen und verlässliche politische Rahmenbedingungen sehr wichtig. Die Solarförderung dabei mit wachem Auge im Blick zu halten, ist gerechtfertigt und nachvollziehbar.

Heute steht bereits fest: Der schrittweise Umstieg auf eine erneuerbare Energieerzeugung ist technisch machbar – und finanzierbar. Wenn es ein Land gibt, dass dieser großen Herausforderung technologisch und wirtschaftlich gewachsen ist, dann Deutschland. Gelingt diese Jahrhundertaufgabe, wird unsere Generation einen unschätzbaren Wert für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands und die Lebensqualität nachfolgender Generationen vererben: eine bürgernahe, sichere, saubere, wirtschaftliche und verlässliche Energieversorgung.

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