Patentierte Generatoren für die Selbstmontage auf dem Dach

Was bisher großen Energieunternehmen vorbehalten war, wird jetzt auch für den Privathaushalt und Gewerbe möglich. Die in Dösigen im Allgäu ansässige MRT Wind hat weltweit einzigartige Windkraftanlagen für Zuhause entwickelt. Der Hersteller verspricht genehmigungsfrei Installation, einen lautlosen Betrieb und – abhängig von der geografischen Lage – eine Amortisation innerhalb von fünf Jahren.


„Bereits ab einer Windgeschwindigkeit von 1,5 Metern pro Sekunde gewinnt unsere Anlage Energie“, sagt Entwickler Neil Cook, Geschäftsführer der MRT Wind. Der von ihm mitentwickelte Windgenerator WG 100 mit einer Energiegewinnungsleistung von 1,3 Kilowatt ist anders aufgebaut als herkömmliche Generatoren: Das 2,50 Meter hohe Windrad dreht sich nicht wie die bekannten Propeller-Systeme um die Horizontalachse, sondern um die Vertikalachse. „Das bringt den entscheidenden Vorteil, dass man völlig unabhängig von der Windrichtung Strom erzeugen kann. Bei Horizontal-Generatoren muss der Propeller stets in Windrichtung stehen, um eine maximale Ausbeute zu erreichen“, so Cook.

Der WG 100 von MRT ist auf eine jährliche Stromgewinnung von über 1680 Kilowattstunden ausgelegt, die er bereits bei einer durchschnittlichen Windgeschwindigkeit von vier Metern pro Sekunde erreicht. In Bayern beträgt die durchschnittliche Windgeschwindigkeit fünf Meter pro Sekunde, in höher gelegenen Gebieten oder in Küstenregionen liegt sie deutlich darüber. In Gebieten mit einem Durchschnitt von 8 Metern pro Sekunde amortisiert sich die Anlage bereits nach vier bis sechs Jahren. Ein Vier-Personen-Haushalt verbraucht zwischen 4000 und 5500 Kilowattstunden pro Jahr. Bei einer durchschnittlichen Windgeschwindigkeit von vier bis fünf Metern pro Sekunde in Süddeutschland lassen sich somit nahezu 50 Prozent der Energiekosten sparen, im Norden, wo bis zu acht Meter pro Sekunde im Schnitt erreicht werden, sind es sogar 100 Prozent.

Speicher und Notstromversorgung

„Auch kleinere Gemeinden oder auch Gewerbeparks können jetzt lokal eigene Windparks errichten, die mit den herkömmlichen Windparks nichts mehr gemeinsam haben“, sagt Neil Cook. Gerade für Gebiete, in denen die derzeit üblichen Windkraftanlagen mit Höhen von über 100 Metern aufgrund der Gefahr für den Luftverkehr nicht zulässig waren, bieten sich mit Hilfe der MRT-Technologie ganz neue Perspektiven. Für den Einsatz der WG-100-Generatoren in Unternehmen bieten sich ebenfalls vielfältige Möglichkeiten. „Sie können beispielsweise sehr gut als Speicher und Notfallstromversorgung dienen, wenn der Strom ausfällt. So wird die Gefahr des Verlusts von wichtigen Daten ausgeschlossen“, erklärt Cook.

Größtes Potenzial sieht Cook in der Flexibilität des Systems: „Wir sind überhaupt nicht limitiert, was die Größe und den Output unserer Generatoren anbelangt. Unsere Lösung ist auch für den industriellen Einsatz geeignet.“ In der  Grundversion, die für Privathaushalte völlig ausreicht, kostet der WG 100 mit 1,3 Kilowatt Output ab 7000 Euro. Die noch leistungsfähigere Version WG 400 mit 4,0 Kilowatt Output ist ab 10.000 Euro zu haben. Bis zum Jahresende 2012 entwickelt das Unternehmen weitere Generationen mit den Leistungsstufen 0,5, 2,0, 3,0 und 5,0 Kilowatt.

Hohe Nachfrage in Indien

Der WG 100 wird als fertiger Bausatz aus Windradsegel, Generator, Inverter sowie Gehäuse geliefert und lässt sich innerhalb eines Tages selbst auf dem Dach eines Hauses installieren. In der Regel erfolgt die Installation des Systems komplett über die Vertriebspartner. Derzeit ist MRT Wind in mehr als 33 Ländern vertreten, unter anderem in Asien, Australien und auch auf Hawaii. „Auch in Deutschland weiten wir unser Netz aus und suchen gerade für die nördlichen Bundesländer noch weitere Vertriebspartner“, sagt Neil Cook.

Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Asien sorgt die Technologie für Furore: Die Regierung von Indien hat bereits 20.000 Kleinversionen des WG 100 angefragt, um mit den Generatoren der hohen Kindersterblichkeit entgegenzuwirken. In den Armenvierteln sterben viele Kinder an Kohlenmonoxidvergiftungen, weil es in den diesen Gebieten immer noch kein elektrisches Licht in den Hütten gibt, sondern mit Kerzen und offenen Feuerstellen beleuchtet wird. Durch die MRT-Windräder soll hier Abhilfe geschaffen werden. Die ersten Testgeräte sind bereits in Betrieb. Auch Telekommunikationsunternehmen aus Indien haben bereits ihr Interesse bekundet, sie wollen mit den Generatoren aus dem Allgäu ihre auf Masten installierten Relay-Stationen autark mit Energie versorgen. Bisher werden dafür noch Diesel-Generatoren eingesetzt.

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