Moderne und umweltschonende Wärmeversorgung in der Schweiz

Die Wohnsiedlung Augarten im schweizerischen Rheinfelden zählt über 1000 Wohneinheiten und wird seit ihrer Fertigstellung 1976 über einen Nahwärmeverbund mit Wärme versorgt. Die Beheizung und das Brauchwarmwasser stellen drei Erdgas-Kesselanlagen mit einer Leistung von je 3 Megawatt bereit, die in der Energiezentrale im Untergeschoss eines der 13-stöckigen Hochhäuser stationiert wurden. Seit Anfang 2009 werden die Wohneinheiten in der Wohnsiedlung Augarten und im Neubaugebiet Weiherfeld – im Endausbau werden insgesamt etwa 1600 Wohneinheiten angeschlossen sein – sowie das nahe gelegene Gewerbegebiet umweltschonend mit Wärme versorgt. Eine Wärmepumpenanlage nutzt das gereinigte Abwasser der Abwasserreinigungsanlage Rheinfelden (ARA) als Wärmequelle


Zwei Wärmepumpen von Johnson Controls versorgen eine Wohnsiedlung im Schweizer Augarten mit Wärme aus Abwasser der Abwasserreinigungsanlage Rheinfelden. Sie verfügen jeweils über eine Leistung von 1250 Kilowatt und sind über dem Nachklärbecken in Containern installiert.

Nach einer Bauzeit von nur sieben Monaten wird das warme Abwasser der ARA Rheinfelden fortan nicht mehr einfach in den Rhein geleitet, sondern als erneuerbare Energiequelle sinnvoll und nachhaltig genutzt. Im Mittelpunkt der Anlage stehen zwei Wärmepumpen mit einer Leistung von jeweils 1250 Kilowatt, die am Ende des Nachklärbeckens der ARA platziert wurden. Es handelt sich dabei um zweistufige Anlagen, die als Arbeitsmittel Ammoniak nutzen. Ein zusätzlicher Pluspunkt in der Umweltbilanz, denn auf diese Weise kann eine höhere Effizienz erreicht werden als mit vergleichbaren synthetischen Kältemitteln. Die Warmwasserversorgung der Wohnungen erfolgt mittels Fernwärmeleitungen. Hierfür ist zwischen der Wärmepumpenanlage in der ARA und der Energiezentrale Augarten eine rund 500 Meter lange Fernwärmeleitung verlegt und an den bestehenden Nahwärmeverbund angeschlossen worden. Für die Erschließung der neuen Wohneinheiten in Weiherfeld sind weitere knapp 1500 Meter Fernwärmeleitungen verlegt worden. Entsprechend des Wärmeleistungsbedarf stehen zwei unterschiedliche Betriebsarten zur Verfügung: Im Sommerbetrieb versorgen die Wärmepumpen das gesamte Netz auf direktem Weg mit 67 Grad Celsius warmem Wasser für die Brauchwarmwassererzeugung. Um die morgendlichen Wärmebedarfsspitzen abzudecken, verfügt die Wärmepumpenanlage der ARA darüber hinaus über einen Warmwasserspeicher mit einem Volumen von 50 Kubikmeter. Beim gesteigerten Wärmebedarf im Winter wird der Vorlauf der Wärmepumpen zusätzlich durch die drei bestehenden Erdgas-Kessel in der Energiezentrale geführt und dort nachgewärmt. Insgesamt produziert die neue Wärmepumpenanlage zirka 14.000 Megawattstunden Nutzwärme pro Jahr und deckt damit rund zwei Drittel des jährlichen Wärmeenergiebedarfs der Wohnsiedlungen Augarten und Weiherfeld in Höhe von rund 22.000 Megawattstunden. Dadurch werden jährlich 1,25 Millionen Kubikmeter Erdgas eingespart und der CO2-Ausstoß um 2650 Tonnen reduziert. Eine Erweiterung des Fernwärmesystems ist bereits geplant: Das nahe gelegene Kuba-Freizeitcenter soll nicht nur beheizt, sondern mit den zwei vorhandenen Wärmepumpenanlagen gleichzeitig auch gekühlt werden. Zudem wird die Abwärmenutzung der Kälteanlagen der ebenfalls benachbarten Eisbahn erwogen. Deren zurzeit an die Luft abgegebene Wärme könnte helfen, vor allem den winterlichen Spitzenbedarf zu decken.

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