Mehrfamilien Sonnenhäuser – Ein nachhaltiger Trend

Nördlich von Flensburg baut die Gewoba Nord derzeit Deutschlands größtes Mehrfamilien-Sonnenhaus, das seinen Jahreswärmebedarf zu 75 Prozent direkt mit der Sonne deckt. Das Projekt beweist, dass selbst im hohen Norden genügend Sonne scheint, um damit eine Wohnanlage zu versorgen, wenn man die solare Energie effizient genug nutzt.


Oben: Der Wassertank speichert das unerschöpfliche Potenzial der Sonne direkt als solare Wärme und stellt sie den Hausbewohnern ebenso direkt zur Verfügung.

Unten: Trotz heftiger Böen konnte Ende des Jahres der 10 Meter hohe und 10 Tonnen schwere Warmwassertank aufgestellt werden, was der Bauherr mit einem Speicherfest feierte.

18 Wohneinheiten mit insgesamt 1276 Quadratmetern Wohnfläche an einem der nördlichsten Punkte der Republik zu drei Vierteln im Jahr mit Sonnenenergie zu versorgen, scheint ein ambitioniertes Unterfangen. Dass die Technik praxisreif ist, belegt die Tatsache, dass bereits mehr als 1000 Sonnenhäuser gebaut und bewohnt sind. Und das hat einen guten Grund. „Bei uns ist es allgemein üblich, dass die Höhe der Kaltmiete festliegt. Dem gegenüber steigen die Nebenkosten jedoch stetig und deutlich, was die Wohnkosten letztlich unvorhersehbar macht. Vermieter von Sonnenhäusern hingegen können ihren Mietern unangenehme Überraschungen ersparen und ihnen über Jahre stabile Warmmieten zusichern“, erläutert Peter Rubeck, Geschäftsführer des Projekt-Partners Sonnenhaus Institut.

Neben den durchgehend niedrigen Heizkosten machen weitere Faktoren das Bau- und Heizkonzept des Sonnenhaus-Instituts für Mehrfamilienhäuser attraktiv: Ein großer Vorteil von Sonnenhäusern liegt in der Einfachheit ihrer Technik. So brauchen die Mieter keine Umlagen für hohe Wartungs- und Folgekosten zu fürchten. Auch das spezifische Nutzungsverhalten einzelner Parteien bleibt in der Regel ohne Folgen für die Heiz- und Nebenkosten der Hausgemeinschaft. Schließlich erreicht ein Sonnenhaus im Vergleich zu anderen Niedrigenergiekonzepten, die zumeist strenge Anforderungen an sachgemäßes Nutzungsverhalten stellen, behaglichen Wohnkomfort ohne jede Einschränkung.

Betriebskosten-Flatrate inklusive

In Harrislee bei Flensburg gewinnen 384 Quadratmeter Kollektorfläche Wärme direkt von der Sonne. Damit der Einfallswinkel der Sonnenstrahlen über den gesamten Jahreslauf auch optimal ausgenutzt werden kann, sind die Sonnenkollektoren um 60 Grad geneigt. Auf diese Weise kann auch bei extrem niedrigem Sonnenstand (in den Wintermonaten) die Wärme optimal aufgenommen werden. Die Sonnenenergie wird in einem 65.900 Liter fassenden Wassertank gespeichert, der zentral in das Gebäude integriert ist. Eine optimale Temperaturschichtung innerhalb des Tanks sorgt dafür, dass die über die Kollektoren aufgenommene Wärmeenergie lange konserviert werden kann. Mit dieser Speicherung produziert das Haus von April bis Ende September sogar mehr Wärme, als die Bewohner benötigen. Deshalb werden mit der überschüssigen Energie die Nachbargebäude mit versorgt. Die Bauherrin und Vermieterin, die Gewoba Nord Baugenossenschaft, bietet ihren Mietern zunächst über drei Jahre eine Mietflatrate, die außer den persönlichen Strom- und Telefonkosten sämtliche Betriebskosten des Hauses enthält. Das Gebäude erreicht, das nach einjähriger Bauzeit im Oktober 2012 bezogen werden soll, den KfW-Standard Effizienzhaus 40.

„Nicht nur die Tatsache, dass es zunehmend solar beheizte Mehrfamilienhäuser gibt, sondern auch dass diese selbst ganz im Norden Deutschlands wirtschaftlich sind, beweist die Alltagstauglichkeit dieser Technologie. Sie ist bedienerfreundlich, krisensicher, wenig anfällig für technische Probleme und damit anderen Niedrigenergie- Heizkonzepten überlegen. Das macht das Sonnenhaus zum potenziellen Wohnraum für eine breite Gesellschaftsschicht“, so Horst Glinka, geschäftsführender Gesellschafter der B und O Gebäudetechnik und verantwortlich für das technische Konzept des Hauses. Auch dem Sonnenhaus Institut ist daran gelegen, die soziale Dimension dieses Themas zu zeigen. Denn gerade für strukturschwache Regionen bieten sich Wohnanlagen mit solarthermischen Bau- und Heizkonzepten an. „Die Integration dieser Technologie in Mehrfamilienhäuser macht sie für die Menschen nutzbar, die auf stabile Wohnkosten angewiesen sind. Das Sonnenhaus-Konzept wird so nicht mehr von ein paar wenigen als Ausdruck eines Ideals genutzt, sondern kommt in der Mitte der Gesellschaft an“, so Rubeck.

Das Sonnenhaus – Ein ausgereiftes Konzept

Als Sonnenhaus bezeichnen die Begründer des Sonnenhaus-Instituts ein Gebäude, in dem die Sonne wenigsten 50 Prozent des Jahreswärmebedarfs deckt. Prägende Merkmale eines solchen Hauses sind das steil geneigte, nach Süden ausgerichtete Dach, auf dem Kollektoren die Sonnenstrahlung aufnehmen. Der große Puffer speichert die Wärmeenergie mit Hilfe von Wasser über mehrere Tage oder Wochen. Eine Flächenheizung in Wand oder Fußboden gibt die Wärme gleichmäßig an die Räume weiter. Für die kältesten und sonnenärmsten Wintertage gibt es eine Zusatzheizquelle. Das Sonnenhaus setzt auf Biomasse-Heizungen zum Beispiel in Form eines Holzofens, der durch CO2 -neutrale Verbrennung den Pufferspeicher nachheizt. 

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