Energetische Schulsanierung profitiert von neuer Heiztechnik

Eine gesamtenergetische Altbausanierung umfasst regelmäßig auch den Austausch veralteter Heiztechnik. Da machte die Johannes-Vincke-Schule im niedersächsischen Belm keine Ausnahme. Dass statt einer ursprünglich installierten Gesamt-Nennwärmeleistung von 1124 Kilowatt künftig eine hoch effiziente Gas-Brennwerttechnik mit insgesamt 750 Kilowatt Wärmeleistung genügt, lässt das Einsparpotenzial erahnen.


Insbesondere der Schul-Altbau von 1944 musste energetisch modernisiert werden und brauchte dringend neue Heiztechnik.

Mit ihrem Gebäudebestand aus den Baujahren 1944 und einer Erweiterung plus weiterem Neubau-Teil von 1971 sowie einem zusätzlichen Anbau aus dem Jahr 1994 ist die Johannes-Vincke-Schule ein echtes Patchwork-Gebäudekonglomerat. Diese Situation findet man an ähnlichen Gebäuden oft in Deutschland, weil im Laufe der Jahrzehnte aufgrund steigender Schülerzahlen oder zusätzlicher Nutzungen irgendwann mehr Platz gebraucht wurde. In den Gebäuden der Haupt- und Realschule werden heute 400 Schüler unterrichtet. Im alten Gebäudeteil sind außerdem die örtliche Volkshochschule und die Kreis-Musikschule untergebracht.

Wie bei öffentlichen Bauten mit einem Alter von 40 und mehr Jahren üblich, hatten die älteren Gebäude bis vor kurzem einen rückständigen energetischen Standard. Vor allem die Wärmedämmung war absolut unzureichend. Da auch die Wärmeerzeuger, insgesamt drei Gas-Gebläse-Kessel, keinesfalls mehr dem Stand der Technik entsprachen, entschied sich die Gemeinde Belm als Bauherr für die energetische Sanierung der gesamten Schule samt kompletter Erneuerung der Heiztechnik.

Um den Lehrbetrieb möglichst wenig zu beeinträchtigen, wurde die Heizanlage vor der Heizperiode in den Herbstferien 2009 ausgetauscht. Der alte Gebäudeteil, der bislang mit einem 378 Kilowatt-Gas-Gebläsekessel aus dem Baujahr 1978 beheizt wurde, erhielt nun eine Kombination aus drei platzsparenden wandhängenden Brötje-Brennwertkesseln vom Typ Eco Therm Plus WGB mit zweimal 90 und einmal 70 Kilowatt Leistung. Die drei Kessel sind gemeinsam auf einem Geräteträgersystem KU-3-16 mit Sinus-Heizkreisverteiler und hydraulischer Weiche zu einer Kaskadeneinheit zusammengefasst worden. Der Vorteil einer solchen Kaskadenschaltung liegt im bedarfsgerechten Betrieb einer oder mehrerer Wärmeerzeuger je nach Wärmeabforderung. Dabei sind drei unterschiedliche Laufzeitstrategien möglich, deren optimale Lösung für den Einzelfall ermittelt wird. Die gemeinsame Abgasführung der drei Kessel erfolgt durch ein 200 Millimeter starkes Sammelrohr aus Polypropylen (PP). Die Kessel werden in diesem Fall raumluftabhängig betrieben.

Das anfallende saure Kondensat der Rauchgase wird vor dem Einleiten ins Abwassernetz von einer Neutralisationseinrichtung (Neop D) neutralisiert. Eine solche Anlage ist gemäß ATV-Arbeitsblatt A 251 bei Gas-Brennwertkesseln mit einer Feuerungsleistung von mehr als 200 Kilowatt vorgeschrieben. Die Neop D arbeitet mit einem umweltfreundlichen Granulat als Neutralisationsmittel. Zum Schutz gegen Verschlammung wird das mineralische Granulat während des Brennerbetriebs von einem kleinen Motor in Bewegung gehalten.

Die gemeinsame Steuerung der Anlage mit vier Heizkreisen übernehmen ein witterungsgeführter ISR-Zonenregler ZR2 und ein Systemregler ISR-SSR. Vier elektronisch drehzahlgeregelte Heizkreispumpen mit Permanentmagnetmotor stellen sicher, dass auch bei der Heizwasserumwälzung maximale Effizienz erreicht wurde. Nach der Inbetriebnahme hat die beauftragte Heizungsbaufirma Altewichard aus Belm einen sorgfältigen hydraulischen Abgleich des Heizsystems gemäß DIN EN 12831 vorgenommen. Für eine maximale Lebensdauer der Anlagenkomponenten haben die Handwerker sämtliche Heizkreise vor der Inbetriebnahme gespült und mit behandeltem Kesselwasser gemäß VDI-Richtlinie 2035 befüllt. Das verhindert ein frühzeitiges Ausfallen der Anlage wegen Korrosion oder Verschlammung.

Nach ähnlichem Muster wurde auch die autark arbeitende Heizungsanlage im neuen Gebäudeteil aus dem Baujahr 1971 modernisiert, deren zwei Kessel noch zur Erstausstattung gehörten. Lediglich die ursprünglichen Öl-Brenner hatte man im Laufe der Jahre gegen Gas-Gebläsebrenner mit einer Nennwärmeleistung von jeweils 373, also 746 Kilowatt, ausgetauscht. Durch das Einbinden der Wärmeerzeugungsanlage in das energetische Gesamtsanierungskonzept konnte die Heizleistung auf jetzt 500 Kilowatt reduziert werden. Die werden nun von einem bodenstehenden Gas-Brennwertkessel Euro Condens SGB 500 bereitgestellt. Der breite Modulationsbereich des Kessels ermöglicht den optimalen Einsatz bei höchster Effizienz in einem Leistungsbereich von 62,5 bis 500 Kilowatt und reduziert so die Anzahl der Brennerstarts erheblich. Die Regelung erfolgt über einen integrierten BCA-Regler sowie zwei ISR-ZR2-Systemregler. Wie im Altbau erfolgt die Ableitung des sauren Abgas-Kondensats über eine Neutralisationseinrichtung vom Typ Neop D. Auch im Neubau wird die Heizwärme über vier Heizkreise verteilt, die ebenfalls mit modernsten elektronisch drehzahlgeregelten Pumpen ausgestattet sind. Den Ausschlag für die Entscheidung, in allen Gebäudeteilen der Johannes-Vincke-Schule Brötje-Komponenten zu verwenden, hat das Multilevel-System des Herstellers gegeben. Ganz gleich ob wandhängend oder bodenstehend, ob 15 oder 500 Kilowatt Heizleistung – der grundsätzliche technische Aufbau aller Kessel ist identisch, und der Hersteller verwendet auch weitmöglichst gleiche Bauteile. Das Multilevel-Prinzip bedeutet bei der Gerätewartung sowie im Reparaturfall geringere Kosten, da sich jeder Servicetechniker in jedem Gerät sofort zurecht findet und nur eine überschaubare Auswahl an Ersatzteilen mitzuführen braucht.

Schreibe einen Kommentar