Der Strom- und Gasmarkt in Deutschland

Das Thema Energie hat sich angesichts knapper Ressourcen, der globalen Erwärmung und nicht zuletzt den stark steigenden Preisen zu einem wahren Dauerbrenner entwickelt. Es vergeht kein Tag, an dem in den Medien der Republik Energie keine Rolle spielt.


Vor der Liberalisierung existierte in den Versorgungsgebieten jeweils nur ein Strom- und Gasanbieter. In sogenannten Demarkationsverträgen verpflichteten sich die Stromanbieter gegenseitig, keine Kunden im Gebiet des jeweils anderen Stromanbieters zu beliefern. Die vertikale Marktdurchdringung der Energie- konzerne Eon, RWE, EnBW und Vattenfall in ihren Flächenmärkten war die Ursache für die Monopolstellung, die der Europäischen Union ein Dorn im Auge war.

Konsequenterweise folgte im April 1998 das nationale Gesetz zur Neuregelung des Energiewirtschaftsrechts. Ziel der Regelung war ein liberalisierter Markt für die leitungsgebundene Versorgung mit Strom und Erdgas, bei dem möglichst viele Teile der Lieferkette dem freien Wettbewerb unterliegen. Um dies zu ermöglichen, sind die Energieversorger verpflichtet worden, für die Unternehmensbereiche Erzeugung, Übertragung und Verteilung getrennte Konten zu führen. Erst die buchhalterische Entflechtung ermöglicht eine Trennung des natürlichen Monopols des Netzbetriebs von der Stromversorgung, bei der ein Wettbewerb möglich ist.

Seit Oktober 1998 gibt es Wettbewerb im Strom- und Gasmarkt – theoretisch. Seitdem gibt es auch ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen den Regulierungsbehörden und den etablierten Großkonzernen, die sich weder in die Karten – sprich Kalkulationen – schauen lassen noch ihre Monopolstellung aufgeben wollen. Bundeskartellamt und Bundesnetzagentur wechseln sich in schöner Regelmäßigkeit damit ab, Druck aufzubauen und Zugeständnisse für einen besseren Wettbewerb zu erzwingen.

Der Strommarkt


Der Strommarkt gliedert sich in die wettbewerbsorientierten Segmente Erzeugung, Handel und Vertrieb sowie die natürlichen Monopole bei Transport und Verteilung auf. Diese Monopole werden über die Bundesnetzagentur reguliert, die wie im Telekommunikationsmarkt sogenannte Übertragungs- und Verteilnetzentgelte festsetzt, die der Durchleitende an den Netzbetreiber zahlen muss. Die Gebühren für das Nutzen des Leitungsnetzes machen rund ein Drittel des Strompreises aus. Der freie Wettbewerb hat seit 1999 zunächst zu einem starken Preiskampf geführt. Die Folge war ein Konzentrationsprozess auf dem deutschen Energiemarkt. Rund 80 größere Stromanbieter fusionierten, und rund 500 kleinere Unternehmen vereinbarten Kooperationen oder strategische Allianzen, um sich Marktanteile zu sichern. Die Zahl der großen Verbundunternehmen reduzierte sich von acht auf vier: Eon, RWE, EnBW und Vattenfall Europe. Die Liberalisierung hat nach Ansicht von Verbraucherschützern zu einer wettbewerbsfeindlichen Konzentration der Märkte geführt. Die vier großen Konzerne beherrschen 90 Prozent des Markts. Eine der Folgen: Seit einigen Jahren steigen die Strompreise kontinuierlich an und liegen oftmals weit über dem Niveau vor der Liberalisierung. Als erster der großen Konzerne brachte die EnBW 1999 ihren Stromdiscounter Yello an den Markt, um beim Wettbewerber zu wildern. Es folgten weitere Billig-anbieter wie Eprimo von RWE, die Eon-Tochter E wie einfach und mit Nuon ein tatsächlich neu auf dem deutschen Markt auftretender niederländische Anbieter. Seit Beginn der Liberalisierung haben 61 Prozent der Privathaushalte den Tarif oder ihren Stromversorger gewechselt. Die Zahl der Haushaltskunden, die ihren Lieferanten gewechselt haben, ist nach dem Monitoring-Bericht 2009 der Bundesnetzagentur in einem Jahr von 1,35 auf 2,11 Millionen gestiegen. Doch der Wettbewerb leidet noch immer darunter, dass rund 80 Prozent des deutschen Stroms nur noch von den großen vier Konzernen produziert werden. Während sich die Gewinne der Energiekonzerne in den letzten Jahren vervielfacht haben, sind die Verbraucherpreise für Strom seit dem Jahr 2000 um mehr als 60 Prozent gestiegen.

Der Gasmarkt

Während im Strommarkt neue Anbieter auftauchten, blieb im Gasmarkt acht Jahre lang alles beim Alten. Zu kompliziert, zu abgeschottet und zu undurchschaubar war der Markt. Die Folge: Kein einziger neuer Anbieter trat auf den Plan. Der Gaskuchen blieb verteilt wie eh und je. Im Januar 2006 kam dann unerwartet Schwung in die Sache. Nachdem das Bundeskartellamt gegen einige Gasversorger Missbrauchsverfahren eingeleitet hatte, verpflichteten sich unter anderem die Gasriesen RWE und Eon, einen Anbieterwechsel zuzulassen. Wohin allerdings die Kunden gehen sollten, wusste niemand, neue Anbieter waren nicht in Sicht. 2007 schickte Eon seinen Discounter für Strom und Gas, E wie einfach, als ersten neuen bundesweiten Gasanbieter ins Rennen.

Jedoch ist das Gasgeschäft für Newcomer noch immer alles andere als einfach. Bislang funktionierte der Wettbewerb auf dem Gasmarkt nicht. Der Hauptgrund dafür ist der Netzzugang. Bis Ende September gab es in Deutschland zwölf Regel- oder Netzzonen. Wer bundesweit Gas liefern wollte, musste mit jedem der Netzbetreiber einen separaten Vertrag zu den unterschiedlichsten Konditionen abschließen. Am 30. September konnte Wettbewerbshüter Kurth jedoch zwei große Fortschritte hin zum Wettbewerb verkünden: Die Zahl der Gasmarktgebiete wurde auf sechs halbiert, und die Bundesnetzagentur hat Netzentgelte für überregionale Gasfernleitungsnetze verbindlich festgelegt und damit um bis zu 25 Prozent gekürzt.

Eine vom Energieportal Verivox durchgeführte Erhebung ergab, dass in 59 Prozent der 7378 untersuchten Postleitzahlengebiete nur ein einziger externer Gasanbieter neben dem Grundversorger verfügbar ist. Eine echte Auswahl mit etwa neun verschiedenen verfügbaren Anbietern gibt es nur in 4,9 Prozent der Liefergebiete. Die Maximalzahl von elf Gasanbietern wird lediglich in einigen wenigen Postleitzahlengebieten in Hamburg erreicht. Der hohe Anteil der Gebiete mit einem einzigen alternativen Versorger erklärt sich daraus, dass es derzeit nur einen überregionalen Gasanbieter mit nahezu bundesweiter Verfügbarkeit gibt – die Eon-Tochter E wie einfach. Daneben haben jedoch im Laufe des vergangenen Jahres eine ganze Reihe von Gasversorgern wie Nuon, Mitgas, Lichtblick, Klickgas, Montana und die Stadtwerke Wedel und Barmstedt ihre Liefergebiete ausgeweitet. Rund 30 neue Anbieter kamen so in den Markt. Zurzeit überarbeitet das Bundeswirtschaftsministerium die Gasnetzzugangsverordnung, um noch mehr Anbietern Zugang zum Markt zu verschaffen.

Die Ölpreisbindung

Die Ölpreisbindung ist eine brancheninterne Vereinbarung zwischen Gasproduzenten, Importeuren und Versorgern. Die Gasversorger verschweigen oft, dass in der langen Handelskette von den Erdgasproduzenten zu den Endverbrauchern viele verschiedene Preisformeln zum Zuge kommen, die nicht immer an die internationalen Rohölpreise gebunden sind. Das wurde vor allem in der Heizperiode 2004/2005 deutlich. Während sich die Importpreise für Erdgas nur geringfügig verteuert hatten, erhöhten sich die Endverbraucherpreise stark. So machten die Erdgasgroßhändler hohe Gewinne, die nicht zu rechtfertigen waren und entsprechend scharf von Politik, Medien und Verbraucherverbänden kritisiert wurden.

Es rumort beim Kunden

Gleichzeitig haben Verbraucher begonnen, die Gaspreiserhöhungen der lokalen Versorger infrage zu stellen und diese nur unter Vorbehalt oder überhaupt nicht zu bezahlen. Die sogenannten Gaspreisrebellen kämpfen sich seither durch die verschiedenen juristischen Instanzen und haben beachtliche Erfolge erzielt. Doch mancher geht noch einen Schritt weiter: In Freiburg wollte eine Bürgerinitiative die Eon-Tochter Thüga kaufen. Beachtliche 100 Millionen Euro wollten die Stromrebellen dafür sammeln. Inzwischen hat Eon die Thüga an ein Konsortium von 50 kommunalen Versorgern verkauft. Die Vorreiterrolle übernehmen dabei die N-ergie in Nürnberg, die Mainova in Frankfurt/Main und die Stadtwerke Hannover. Ähnliches passiert zurzeit in der ganzen Republik. Bereits 1997 haben die Bewohner des Städtchens Schönau im Schwarzwald gegen den Willen des Gemeinderats das Stromnetz übernommen. Fortan liefert der etwas andere Energieversorger ökologisch sauberen Strom, heute sogar bundesweit. Damit machte das Unternehmen 2008 einen Umsatz von 38 Millionen Euro.

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