Barrierefrei wohnen plus Öko-Energie

Im grünen Stadtteil Mecklenbeck in Münster entstand auf der ehemaligen Kirchwiese die erste barrierefreie Wohnanlage, die ein optionales Altenpflegekonzept vorsieht. Auch in ökologischer und ökonomischer Hinsicht verdient das Projekt Anerkennung: Eine Wärmepumpen-Anlage trägt zur nachhaltigen Energieeinsparung bei.


Um die Wohnanlage so energieeffizient wie möglich zu gestalten, kommt ein Sole/Wasser-Wärmepumpen-System von Stiebel Eltron zum Einsatz. In jedem der beiden Technikräume mit identischen Wärmepumpen-Anlagen befindet sich eine Wärmepumpe WPF 66 mit 69 Kilowatt Heizleistung zur Heizung und Warmwasserbereitung.

Es war eine einmalige Chance, als die evangelische Johannes-Kirchengemeinde Münster in unmittelbarer Nähe des evangelischen Altenhilfezentrums Meckmannhof ein Grundstück zur Bebauung von Wohnhäusern zur Verfügung stellte. Für die P+S Planung und Schlüsselfertigbau stand von vorneherein fest: Das Erbpachtgrundstück in grüner Lage mit guter Infrastruktur war für den barrierefreien Wohnungsbau prädestiniert. „Angestrebt haben wir von Anfang an eine Durchmischung der Generationen – um eine soziale Trennung der Altersklassen zu vermeiden. Außerdem sollen jüngere und ältere Menschen durch gegenseitige Kontakte profitieren“, erklärt Projektentwickler Andreas van der Meulen. „Die meisten Menschen wollen nicht über ihr Alter definiert werden. Speziell als ’altengerecht’ ausgewiesene Wohnsiedlungen finden deshalb oft wenig Akzeptanz.“ Die starke Nachfrage beweist dem seit mehr als 25 Jahren im Wohnungsbau tätigen Unternehmen den Erfolg des in Münster-Mecklenbeck entstandenen innovativen Wohnprojektes, das man auch als „barrierefrei wohnen plus“ bezeichnen könnte: Alle Wohnungen waren bereits vor der Fertigstellung im Dezember 2009 verkauft, die jüngste Bewohnerin ist sieben Jahre, die älteste 87.

Wohnraum mit sozialem Umfeld

Wo Jung und Alt zusammen wohnen, da sind Toleranz und Offenheit zwingend notwendig. Daher haben die Planer das Mecklenbecker Vorzeigeobjekt hinsichtlich seiner Funktionen genau durchdacht: Neben 35 barrierefreien Wohneinheiten mit Wohnungsgrößen zwischen 62 und 114 Quadratmetern wurde auch ein zentraler, etwa 85 Quadratmeter großer Gemeinschaftsbereich und ein großzügiger Innenhof geschaffen, den die Bewohner gemeinsam liebevoll gestalten und pflegen. „Im Laufe der Monate und Jahreszeiten verändert sich die Gestalt der Wohnanlage permanent – das ist auch so gewünscht, denn es beeinflusst die Agilität unserer Senioren positiv“, erklärt Architekt Frank Reinsch. Inmitten der lebendigen, warmen Farbgebung der Fassaden, die mal mit zurückhaltenden, mal kräftigen Farben auf Lichteinfall und Himmelsrichtung abgestimmt sind, halten sich alle Bewohner gerne auf. Kommunikation ist gewünscht und wird aktiv gelebt. Daher orientieren sich auch die Terrassen und Balkone zum Innenhof, alle Zugänge sind barrierefrei. Die drei um den Innenhof angeordneten Gebäude bilden einen zusammenhängenden Komplex – verbunden durch zwei Treppenhäuser und einen Aufzugsbereich. Ein vierter Gebäuderiegel mit eigenem Aufzug schirmt den Schall der Straße zum Innenhof ab. Über breite Laubengänge, die für die Eigentümer zusätzliche Aufenthalts- und Kommunikationsqualität bieten, lassen sich die Wohnungen auf allen drei Wohnetagen und das Kellergeschoss mit der Tiefgarage und den Kellerräumen schwellenlos erreichen. Jede Wohneinheit ist so konzipiert, dass aus dem Wohnbereich später jederzeit ein Schlafzimmer werden kann – beispielsweise wenn jemand pflegebedürftig wird. Die Wohnungen verfügen über offene Küchen, die auf Wunsch auch geschlossen werden können. Alle Bäder haben bodengleiche Duschen und breite Türen, die auch mit einem Rollator oder Rollstuhl durchfahren werden können.

Selbstständig wohnen im Alter

Die Besonderheit des Wohnparks Kirchwiese liegt für ältere Bewohner jedoch vor allem in der Anbindung an das unmittelbar benachbarte evangelische Altenhilfezentrum Meckmannhof. Der Projektentwickler hat sich für eine Kooperation stark gemacht und während der Planungsphase zahlreiche Gespräche mit der evangelischen Kirche und der Pflegeeinrichtung geführt: „Zu einem nachhaltigen Wohnkonzept gehört immer ein Blick über den Tellerrand. Die Lage des Wohnparks direkt neben der Altenpflegeeinrichtung ist außergewöhnlich günstig, sodass es selbst stark bewegungseingeschränkten Bewohnern möglich sein wird, bis ins hohe Alter selbstständig zu wohnen“, erklärt van der Meulen. Das breite Angebot des Altenhilfezentrums ist katalogisiert, alle Bewohner haben Einblick. Vor allem die Älteren sind beruhigt, Serviceleistungen im Bedarfsfall jederzeit und in vielen Facetten in Anspruch nehmen zu können – vom warmen Mittagessen über die Nutzung der Sport- und Aktionsangebote bis hin zur Betreuung (Pflegestufen 1 bis 3) in den eigenen vier Wänden.

Langfristig sparsam heizen

Damit das Neubau-Ensemble sowohl in ökologischer als auch in ökonomischer Hinsicht ein Erfolgsprojekt wurde, saßen TGA-Fachplaner und Architekten von Anfang an gleichberechtigt am Planungstisch. Denn nur so ließ sich die Frage klären, wie man nach der gültigen Energieeinsparverordnung bauen, dämmen und belüften muss, um Erstellungs- und Betriebskosten weitgehend zu minimieren. Im Hinblick auf die Beheizung und Warmwasserbereitung erfolgte im Vorfeld eine Wirtschaftlichkeitsberechnung. Untersucht wurden hierbei die Systeme für Kraftwärmekopplung, Gas-Brennwert-Technik sowie Luft/Wasser-Wärmepumpen und Sole/Wasser-Wärmepumpen. Eine Wasser/Wasser-Wärmepumpe kam nicht in Betracht, da das Grundwasser in Münster stark manganhaltig ist. Die Ergebnisse favorisierten ein Sole/Wasser-Wärmepumpensystem – als langfristig effiziente Lösung.

Zur optimalen Zirkulation des Heizungswassers und Verkürzung der Leitungswege an das Trinkwassersystem wurden zwei identische Anlagen von Stiebel Eltron in zwei separaten Heizräumen konzipiert. Jede Anlage besteht aus einer Sole/Wasser-Wärmepumpe WPF 66 mit 69 Kilowatt Heizleistung (bei B0/W35), einem 1500-Liter-Pufferspeicher sowie einem 700-Liter-Warmwasserspeicher. Zur Gewinnung der Erdwärme wurden insgesamt 2700 Bohrmeter auf 18 Bohrungen à 150 Metern Tiefe realisiert. Jede Heiz-Anlage bezieht regenerative Umweltwärme aus neun Erdsonden. Die ausreichende Beheizung und Warmwasserbereitung für insgesamt 2731 Quadratmeter Wohnfläche in 35 Wohneinheiten ist somit sichergestellt. Im gesamten Wohnkomplex wird die Wärme über Fußbodenheizungen verteilt. Der Handtuchheizkörper in den Bädern sorgt für zusätzlichen Komfort für die Bewohner.

Entscheidungsfreiheit beim Lüften

Schon in der Projektphase sind intensive Gespräche mit allen zukünftigen Bewohnern geführt worden, um sie für das Thema Lüftung zu sensibilisieren. So konnte jeder Bewohner selber wählen, ob sofort oder später eine Lüftungsanlage eziehungsweise eine Be- und Entlüftungsanlage eingebaut werden soll. Fast die Hälfte der Bewohner haben sich schon im Vorhinein für eine Lüftungsanlage entschieden. Die anderen Bewohner haben sich erst einmal bewusst gegen eine Installation entschieden, da die Wohnungsgrundrisse ein Stoßlüften gut ermöglichen und jederzeit eine Lüftungsanlage nachträglich installiert werden kann.

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