

Oben: In diesem Bietigheimer Mehrfamilienhaus hat die Energietechnik von morgen bereits Einzug gehalten: Vernetzte „intelligente“ Zähler übermitteln ihre Verbrauchswerte an Datensammler im Treppenhaus, die aus der Ferne ablesbar sind. So ist ein zeitnahes Verbrauchs-Feedback im Internet für alle Sparten möglich.

Unten: Im geschützten Internetportal können die Hausbewohner Verbrauchs- und Kostenanalysen für ihre Wohnung aufrufen. Dieses Schaubild zeigt beispielsweise, wie sich die Kosten für Heizung, Warmwasser und Kaltwasser anteilig zusammensetzen und wie sie sich im Laufe von zwölf Monaten entwickelt haben.
Die BW, der Energiedienstleister Minol und die Stadtwerke Bietigheim-Bissingen (SWBB) haben das Gebäude mit sieben Eigentumswohnungen in der Max-Born-Straße als Musterhaus für das Energiemonitoring ausgewählt. Die Bewohner können in geschützten Internetportalen von Minol und SWBB zeitnah Verbrauchs- und Kostenanalysen für ihre Wohnung abrufen. Dass ein Portal alle Sparten (Heizenergie, Warmwasser, Kaltwasser und Strom) abbildet, ist für Wohngebäude bisher einmalig.
Energiemonitoring hilft Verbrauchsmuster erkennen
Als KfW-Effizienzhaus 85 übertrifft das Gebäude die Vorgaben der Energieeinsparverordnung um 15 Prozent. Zudem wird es von der SWBB mit Fernwärme versorgt, die zu 90 Prozent aus Biomasse stammt. „Gebäudetechnisch sind also die Weichen für niedrige Energiekosten gestellt. Mit dem Energiemonitoring können die Bewohner nun auch die Nebenkosten beeinflussen, die vom ihrem individuellen Verhalten abhängen“, freut sich Wolfgang D. Heckeler, Geschäftsführer der Bietigheimer Wohnbau. Ein bewusstes Verhalten senke den Energieverbrauch selbst in modernen Gebäuden um 15 bis 20 Prozent. Um Einsparpotenziale zu erkennen, wünschen sich viele Menschen eine zeitnahe Rückmeldung zum eigenen Verbrauch. Bei Strom und Gas ist das sogar verbindlich. Seit Januar 2010 sind in Neubauten „intelligente“ Strom- und Gaszähler (Smart Meter) Pflicht; von 30. Dezember 2010 an müssen Energieversorger zudem variable Stromtarife anbieten. „Smart Meter zeigen den Verbrauch zeitnah, beispielsweise am Folgetag, an. So erkennt der Nutzer stromintensive Anwendungen. Dank dynamischer Tarife ist es künftig sogar möglich, Stromverbraucher wie die Waschmaschine zu preisgünstigen Tageszeiten zu starten“, erklärt Rainer Kübler, Geschäftsführer der SWBB. Die Projektpartner gehen einen entscheidenden Schritt weiter: „Wir machen auch den Wärme- und Warmwasserverbrauch transparent, auf den mehr als 80 Prozent der Energie im Gebäudebereich entfallen. So hat jeder Haushalt den Gesamtverbrauch im Blick“, bestätigt Minol-Geschäftsführer Marcus Lehmann.
Schlaue Technik bringt den Überblick
Technische Voraussetzung für das Energiemonitoring ist eine vernetzte und aus der Ferne ablesbare Messtechnik. Der Wärmemessdienstleister hat die einzelnen Wohnungen mit Erfassungsgeräten für Wärme und Wasser ausgestattet und ein Funksystem installiert: Regelmäßig übermitteln die Zähler ihre Verbrauchswerte an den Datensammler – eine Box im Treppenhaus, die vom Minol-Rechenzentrum aus abgelesen wird. Die Stadtwerke erfassen den Strom-, Fernwärme- und Wasserverbrauch des Gesamtgebäudes mit digitalen Zählern, die mit einem fernablesbaren Datensammler verbunden sind. So funktioniert die Ablesung in allen Sparten automatisch. Vorteil: Kein Bewohner muss zu Hause auf den Ableser warten.
So komplex die zugrunde liegende Technik, so einfach ist das Energiemonitoring zu bedienen: Der Nutzer meldet sich im Passwort-geschützten Internetportal des Wärmemesdienstleisters an. Dort sieht er leicht verständliche Schaubilder mit den Analysen seiner Wohnung. Zum Beispiel lässt sich feststellen, in welchem Raum am meisten geheizt wurde oder wie sich der Wasserverbrauch des Haushaltes im Verlauf der letzten zwölf Monate entwickelt hat. Wer den Stromverbrauch noch genauer überblicken möchte, kann vom Portal aus den „Kundenmonitor“ der Stadtwerke aufrufen. Dort sind die Stromwerte im Monats- und Tagestakt verfügbar. Sowohl die messtechnischen Systeme als auch das Internetportal verfügen über zahlreiche Sicherheitsfunktionen, die einen Datenmissbrauch verhindern sollen. Zum Beispiel muss der Datensammler bei jeder Verbindung zum Rechenzentrum von diesem autorisiert werden, und die Internetportale sind schlüsselcodiert. Die Projektpartner erhoffen sich vom Energiemonitoring neue Erkenntnisse. „Uns interessiert, ob die Bewohner den Service annehmen und welche Funktionen besonders hilfreich sind. So können wir unsere Dienstleistungen für Eigentümer und Mieter gemeinsam weiterentwickeln“, sagt Heckeler.