

Oben: Je nachdem, wie viele Personen in einem Haushalt leben, sind mit einer Einzelraumregelung Einsparungen von bis zu 30 Prozent möglich.

Unten: Gegenüberstellung der Einsparpotenziale und Investitionsaufwände
Laut einer Studie der Deutschen Energie-Agentur (Dena) bewerten die Deutschen ihren Energieverbrauch für elektrische Verbraucher um fast das fünffache zu hoch. Dafür wird die Heizung – übrigens ebenso wie der Energieverbrauch für PKW – gewaltig unterschätzt: Nämlich um rund die Hälfte des tatsächlichen Bedarfs. Verbraucher haben daher subjektiv das Gefühl, eineinhalb Mal so viel Energie für elektrische Verbraucher aufzuwenden als für die Heizung. In Wahrheit gehen 87 Prozent des häuslichen Energiebedarfs – also das rund siebenfache – auf das Konto von Heizung sowie Warmwasserbereitung, nur die restlichen 13 Prozent sind elektrische Energie. Noch deutlicher stellt sich die Lage dar, wenn man die reinen Energieverbräuche für Heizung (75 Prozent) und Licht (drei Prozent) vergleicht: Dann zeigt sich, dass deutsche Haushalte 25 Mal so viel Energie für die Heizung als für das Licht aufwenden.
Auch die Anstrengungen zum Energiesparen entsprechen eher dem subjektiven Empfinden als den tatsächlichen Werten des Energieverbrauchs. So brennt in der Praxis kaum noch eine Leuchte zuviel, werden Solarleuchten installiert, Leuchtmittel gegen solche mit niedrigeren Leistungsdaten oder energiesparenden Techniken ausgetauscht. Oder als „Stromfresser“ geoutete sogar per Gesetz gänzlich verboten. Aber selbst wenn sich so – oftmals mit nicht ganz billigen Investitionen – im Extremfall bis zu 80 Prozent der Beleuchtungsenergie sparen lassen, sind das immer noch nur rund 2,5 Prozent des gesamten häuslichen Energiebedarfes. Dabei lässt sich mit relativ geringem Aufwand bis zum Zehnfachen sparen. Nur dadurch, dass – genauso wie beim Licht – die Heizung in den Räumen und zu den Zeiten abgeschaltet werden, in denen sie nicht gebraucht werden. Je nach Nutzergruppe sind so bis zu 30 Prozent weniger Heizenergie nötig.
Grundsätzlich wären die benötigten Einrichtungen dazu überwiegend schon vorhanden. Zumindest, wenn Paragraf 14 der aktuellen Energieeinsparverordnung (EnEV) eingehalten wird. Jener fordert eine zeit- und witterungsgeführte Regelung von Zentralheizungen sowie eine selbsttätig wirkende Einrichtung zur raumweisen Regelung der Raumtemperatur. In der Regel sind letzteres in der Praxis überwiegend Thermostatventile. Allerdings verfügen derzeit laut Bundesverband Flächenheizungen und Flächenkühlungen (BVF) noch über zwei Millionen Fußbodenheizungen weder über ein Zeitprogramm noch über eine Einzelraumregelung. Aber selbst wenn alle geforderten Regeleinrichtungen vorhanden sind: Wer von den Nutzern programmiert tatsächlich die Heizungsanlage um? Oder stellt beim Verlassen eines Raumes oder beim Lüften am Verteilerkasten die betreffenden Kreise einer Fußbodenheizung ab? Oder dreht die Thermostatventile herunter? Und das alles mehrmals am Tag unter Beachtung der individuellen Tot-, Speicher- und Aufheizzeiten des Systems sowie der jeweilig sinnvollen Temperaturabsenkung im betreffenden Raum. Bei Fußbodenheizungen dürfte das selbst für den engagiertesten Nutzer nicht mehr zu realisieren sein.
Ganz so einfach wie das Licht an- und ausknipsen ist die Sache mit der Heizung also doch nicht. Könnte sie aber sein. Dazu bedarf es lediglich eines der zurzeit schon recht günstig am Markt erhältlichen Systeme zur programmierbaren Einzelraumregelung. Dabei handelt es sich um sogenannte intelligente Regelsysteme, die quasi zwischen der zentralen Regelung des Wärmeerzeugers sowie der bisher recht starren Raumregelung angesiedelt sind und diese besonders effektiv individuell nach dem Nutzerverhalten beeinflussen. Zu theoretisch?
Energie sparen durch programmierbare Einzelraumregelung
Über automatische Zeit- und Temperaturprogramme können auf einfache Art und Weise nur die Räume mit der gewünschten, vorgegebenen Temperatur geheizt werden, die zu definierten Tageszeiten auch genutzt werden. Hier sind auf dem Markt verschiedene Produkte im Angebot – angefangen vom programmierbaren Heizkörperregler, der einfach auf die Heizungsventile aufgeschraubt und einzeln programmiert wird. Datum, Uhrzeit und Grundprogramm sind meistens schon voreingestellt, individuelle Wunschprogramme für die ganze Woche oder jeden Tag können für jeden Raum programmiert werden. Die Regler werden mit Batterien betrieben, die rund zwei Heizperioden halten.
Wer nicht jeden einzelnen Thermostatregler programmieren möchte, kann auf Einzelraumregelungssysteme zurückgreifen, die die Temperatur in zwei bis sechs Räumen regeln können. Diese Systeme gibt es drahtgebunden und drahtlos. Sie kommunizieren per Funk mit den Reglern, die an die Heizkörper montiert wurden. Die Programmierung und Steuerung erfolgt einfach über das jeweilige Bediengerät.
Die neuesten Einzelraumregelungssysteme können bis zu acht Räume durch unabhängige Zeit- und Regelprogramme steuern. Sie unterstützen sämtliche Heizsysteme und sind durch die benutzte Funktechnologie auch einfach nachzurüsten. Evohome von Honeywell zum Beispiel deckt ein weites Spektrum von Applikationen wie Fußbodenheizungsregelung, Heizkörperregelung, Zonenregelung und Mischerregelung sowie optional die Wärmeanforderung an den Wärmeerzeuger und die Bedarfsschaltung der Heizkreispumpen ab. Die Programmierung, Konfiguration und Bedienung erfolgt – jeweils logisch geführt – durch Fingerberührung über ein großes Touch-Screen-Display. Außer Datum und Uhrzeit zeigt dieses im Betrieb den aktuellen Temperatur-Ist- und den Raum-Sollwert jedes gewünschten Raumes an. Die Systeme verfügen über eine Urlaubsfunktion, die alle Räume auf einen pro Raum individuell einstellbaren Temperaturwert absenkt. Zum programmierten Urlaubsende kehrt der Temperaturwert wieder in den regulären Automatikbetrieb zurück. Das Ganze so rechtzeitig, dass der oder die Räume zum eingestellten Zeitpunkt nicht erst geheizt werden, sondern schon warm sind. Ebenfalls nützlich: Eine so genannte Fensteroffen-Funktion, die bei schnellem Temperaturabfall die elektronischen Heizkörperregler im jeweiligen Raum für maximal 30 Minuten schließt. Die Heizkörperregler sind, ebenso wie sämtliche andere Systemprodukte, installationsfreundlich über ein 868Megaherz-Funksystem gekoppelt. 10 Milliwatt Sendeleistung reichen bei der Funk-Technologie für bis zu 30 Meter Reichweite innerhalb des Gebäudes. Das System ist nicht nur schnell und ohne Aufwand installiert, sondern auch einfach und übersichtlich in der Bedienung. Außerdem spart die optimierte Heizungsregelung bis zu 30 Prozent Energie und damit auch Kosten in beträchtlichem Umfang.
Geringer Investitionsaufwand, hohes Einsparpotenzial
Die KfW-Bank hat zum 1. September Sonderförderungen im Rahmen des Programms „Energieeffizient Sanieren“ eingestellt, darunter auch die Förderung für Maßnahmen zur Optimierung der Wärmeverteilung. Bis dahin war die Anschaffung einer Einzelraumregelung in Verbindung mit einem Hydraulischen Abgleich förderfähig. Doch auch ohne Förderung lohnt sich die Investition in ein Einzelraumregelungssystem: Denn Energieeinsparungen von bis zu 30 Prozent lassen sich laut Dena sonst nur noch mit einer Dämmung der Außenwände erzielen. Dann allerdings nach Unterlagen der KfW-Bank mit einem Investitionsaufwand von 13.000 Euro – etwa das 26-fache an Kosten einer Einzelraumregelung. Die nächstgünstigere Maßnahme wäre die Dämmung der Kellerdecke. Aber auch die wäre schon doppelt so teuer und mit einem Einsparpotenzial von 12 Prozent nicht einmal halb so effektiv. Mit ihren im Vergleich unschlagbar kurzen Amortisationszeiten von im Schnitt etwas über drei Jahren ist die programmierbare Einzelraumregelung als zukünftiger Stand der Technik zu empfehlen. Aber auch Mieter fahren gut damit, denn die gesamte Anlage ist bei einem Umzug dank Funktechnologie schnell abgebaut und lässt sich flexibel auf die neue Wohnsituation anpassen.
Mehr Infos unter www.honeywell.de/haustechnik
Autor: Jürgen Lutz
Leiter des Seminar- und Schulungswesens
Honeywell Haustechnik