

Oben: Flachdachdämmung mit Gutex Thermoflat inklusive individuell geplanter Gefälledämmung zu den Ablaufpunkten.

Mitte: Fassade mit Thermowall und Multitherm während der Bauphase, Wärmedämmverbundsystem mit Grundputz beziehungsweise Holzschalung.

Unten: Nach der Sanierung erinnert nichts an dem Haus mehr an den Mief der 50er Jahre.
Das alte Haus war schlecht gedämmt. Der Primärenergiebedarf der Doppelhaushälfte von Familie Wittmann war mit rund 38.000 Kilowattstunden pro Jahr für 120 Quadratmeter Wohnfläche recht hoch. Die Wände waren im Winter kalt und das Raumklima nicht optimal. Der Wohnraum wurde langsam knapp und sollte erweitert werden. Zwar ist die Lage im reinen Wohngebiet mit angrenzenden Wiesen und Feldern recht ländlich. Die stark befahrene Straße an der Nordseite verursacht jedoch ab 4.00 Uhr morgens eine zunehmende Lärmbelastung. Ein Durchlaufboiler für Heizung und Warmwasser war überfordert und brachte auch mal kaltes Wasser während des Duschens.
Daher waren die Kernziele der Sanierung schnell klar: Erhöhung des Schallschutzes über Dämmung und neue Fenster, Kälteschutz im Winter und Hitzeschutz im Sommer, moderne Energietechnik, Wohnraumgewinnung und insgesamt eine bessere Wohnqualität. Zusammen mit einem Nachbarn entstanden die ersten Ideen zur Sanierung. Der Energieberater, Diplom-Ingenieur Martin Mosch, machte Vorschläge zum Energiegesamtkonzept. Gestaltung und Detailplanung übernahm die Architektin Monika Süssle. Die Familie entschied sich für die Gesamtsanierung, das Motto war: „jetzt richtig investieren und die nächsten 30 Jahre gut leben.“
Beide Dachstühle, im Haupthaus und im Anbau, waren für Wohnzwecke nicht nutzbar. Die Architektin arbeitete einen Vorschlag aus, in dem beide Dachstühle aufgestockt als vollwertiger Wohnraum zu Verfügung stehen. Nach Norden bleibt die Ansicht mit Satteldach bestehen, die Südansicht verändert jedoch grundlegend ihr Gesicht. Zwei neue Flachdächer schaffen Raum für Spiel- und Schlafzimmer. In dem selbsttragenden Dachstuhl stören keine Wände oder Stützbalken mehr. Alles ist offen und geräumig.
Der Gebäudebestand wurde so saniert, dass der Energieverbrauch, berechnet nach EnEV 2009, einem Effizienzhaus 100 entspricht. Die Aufstockung konnte wie ein Neubau ausgeführt werden und erreicht dämmtechnisch Passivhausstandard. Alle Fenster sind neu und dreifachverglast. Eine neue Gasbrennwertheizung ist gekoppelt mit einem 750-Liter-Pufferspeicher und einer 10 Quadratmeter großen thermischen Solaranlage. Diese ist auf dem oberen Flachdach mit direkter Südausrichtung aufgeständert.
Zur nachträglichen Dämmung des alten Mauerwerks wurde auf das bestehende Mauerwerk Gutex Thermowall mit Klebe- und Spachtelputz aufgeklebt und danach verdübelt. Die Holzfaser wurde dann entsprechend der Herstellerangaben mit Grundputz, Armierung und Feinputz inklusive Farbe weiß gestaltet. Die Kombination aus Wärmedämmverbundsystem und neuen dreifachverglasten Fenstern wärmt sozusagen das Haus von außen. So fühlen sich die alten Wände im Winter nicht mehr kalt an. Auch Zuglufterscheinungen konnten so beseitigt werden. Zusätzlich montierte das Team eine Hartschaumdämmschicht von unten an die Kellerdecke.
Das bestehende Satteldach und das Pultdach des Anbaus wurden für die Sanierung komplett entfernt. Auf dem Haupthaus wurde die Seitenwand zur anderen Doppelhaushälfte hochgemauert. Die restlichen Wände und das Flachdach entstanden als Holzständerkonstruktion. Die Installationsebene ist mit Gutex Thermoinstal ausgeführt. Hierbei werden die Leitungskanäle mit einer Oberfräse herausgenommen. Der Rest der Installationsebene trägt mit zur Dämmung bei. Im Gefach wurde mit flexiblen Dämmplatten aus Steinwolle gedämmt.
Auf der Holzständerkonstruktion brachten die Zimmerer eine neue Holzfaserdämmplatte für hinterlüftete Fassaden an. Die Platten mit ihrer speziellen Nut- und Federverbindung greifen exakt ineinander. Sie werden durch eine Lattung mit Schrauben in der Holzkonstruktion befestigt. Nicht allein zur optischen Auflockerung der Gesamtansicht wählte die Baufamilie eine rote Stülpschalung aus Fichtenholz sondern auch um optisch deutlich zu machen: Putzfassade bedeutet alter Bestand und Holzfassade neue Erweiterung.
Die beiden Flachdächer sind vom Aufbau her prinzipiell gleich. Die Unterschiede liegen in Anschlussdetails, zum Beispiel zum Dach des Nachbarn und zum Schrägdach zur Nordseite hin. Die Decken bestehen aus einer rechtwinkligen Holzkonstruktion ohne Gefälle. Das im Regelwerk vorgegebene Gefälle von 1 Prozent wird über eine Gefälledämmung erreicht. Der Aufbau von innen nach außen: Gipskartonplatte, OSB-Platten, mineralische Dämmung zwischen den Holzbalken, Flachdachdämmung mit Gutex Thermoflat in 160 Millimeter Stärke. Regensichere Abdeckung mit einer Kunststoffdachbahn. Den Abschluss bildet ein Kies-Sand-Gemisch. Im Gesamtaufbau ist eine Dämmschicht von mindestens 320 Millimeter enthalten. Im Anbau konnte sogar noch etwas mehr gedämmt werden, da die Sparrenstärke aus statischen Gründen höher ausfiel. Die Gefälledämmung mit Thermoflat ist ein Novum. Die Platten sind nach Plan des Architekten exakt vorbereitet worden. Durch eine genaue Beschriftung erfolgt die Verlegung für den Zimmermann einfach und präzise. Die kostenintensive Abschrägung der Unterkonstruktion wird überflüssig.
Im Schrägdach wurde eine Zwischensparrendämmung aus Mineralwolle eingebracht. Vollflächig auf die Sparren ist Ultratherm als regensichere Unterdeckplatte in 120 Millimeter Stärke verlegt. So haben alle Dach- und Wandflächen den besonderen Hitzeschutz im Sommer durch die Holzfaserdämmung erhalten. Auf der straßenzugewandten Nordseite war zusätzlich der hohe Schallschutz der Holzfaserdämmung ein entscheidendes Argument bei der Materialwahl. Der Dachaufbau mit Ultratherm hat einen Schallschutzwert von R W,R = 50 Dezibel, da die poröse Faserstruktur den Lärm stark reduziert.
Den Unterschied zu anderen Dämmmaterialien spürten die Beteiligten sogar schon während der Bauphase. Wenn es unter anderen Dächern schon 35 Grad Celsius warm war, ist es unter dem neuen Flachdach noch angenehm. Die ersten zwei kälteren Monate haben die Familie rundum zufrieden gemacht mit der neuen, gemütlichen Wohnsituation. Die Wände sind nicht mehr kalt und während des milden Oktobers hat die thermische Solaranlage fast komplett den Bedarf an Warmwasser und Heizenergie abdecken können. Im frostigen November ist die neue Heizungsanlage dann richtig in Betrieb gegangen, aber mit deutlich geringerem Verbrauch als vor der Sanierung. Die neuen Fenster und die schallschluckende Fassaden- und Dachdämmung halten die Lärmbelastung von der Straße niedrig. Der Energieausweis ist noch nicht erstellt, der Primärenergiebedarf nach EnEV für das Sanierungsobjekt Qp beträgt 95,7 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr (kWh/m2 a). Der Transmissionswärmeverlust HT liegt nach EnEV für das Sanierungsobjekt bei 0,294 Watt pro Quadratmeter Kelvin (W/m2K).