
Wer kennt das nicht: man sitzt in einem Wohnzimmer und meint, durch die Außenwand im Rücken zieht es. Oder der Wohnraum hat eine Temperatur von 23 bis 24 Grad Celsius, trotzdem empfindet man diese Temperatur nicht als angenehm. Die Zuggefühle sind noch vorhanden, dazu kommt oft noch das Gefühl, dass es am Fußboden zieht. Negativ wird auch die sogenannte Fußkälte über ungeheizten Räumen empfunden, sie kriecht durch den ganzen Körper nach oben, obwohl die Lufttemperatur hoch ist.
Energieberater erleben es oft, dass in Wohnräumen eine Temperatur von 22 Grad herrscht und sich die Bewohner trotzdem darüber beschweren, dass sie frieren und verlangen, dass die Heizung höher gestellt wird. Generell kann angenommen werden, dass in Räumen mit niedriger Behaglichkeit die Temperatur um 2 bis 3 Grad angehoben werden muss. Das Anheben der Raumtemperatur bedeutet aber noch lange nicht, dass die Behaglichkeit der in modernen Häusern gleicht.
Warum ist in alten Gebäuden die Wohnqualität oft schlecht?
Wohnqualität hängt direkt mit den Oberflächentemperaturen der umgebenden Flächen zusammen. Je höher die Temperaturdifferenz zwischen der Raumluft und der Oberfläche der Außenwand oder des Außenfensters ist, desto schlechter ist die Behaglichkeit. Der Grenzwert liegt bei 2,5 bis 3 Grad Kelvin Temperaturdifferenz.
An den kalten Flächen entsteht eine Luftwalze, warme Luft kühlt an der Außenwand ab und fällt nach unten. Durch diese Luftbewegung entsteht das Gefühl des Durchzugs. Es gibt Fälle, bei denen Außenwände neu verputzt wurden, weil man dachte, die Wand sei undicht.
In Räumen, die mit Heizkörpern ausgestattet sind, bei denen der Strahlungsanteil gering und der Umluftanteil hoch ist und weiterhin die Oberflächentemperatur des Fußbodens deutlich niedriger als die Raumtemperatur ist, entsteht das Gefühl, dass am Fußboden es zieht. Erhöht man die Heizkörpertemperaturen , wird der Eindruck noch verstärkt. Kalte Raumhüllflächen haben weiterhin die Eigenschaft, dass die Temperatur, die der menschliche Körper abstrahlt, nicht mehr reflektiert, also zurückgestrahlt wird. Auch das verstärkt das Kältegefühl.
Mit den hohen Heizkörpertemperaturen, die in schlecht gedämmten Räumen gebraucht werden, verschlechtert sich gleichzeitig die Raumluft. Es entsteht der sogenannte Fogging-Effekt. Bei Heizkörpertemperaturen von über 60 Grad Celsius entsteht eine Staubverschwelung. Hierdurch kann es zu schwarzen Schleiern an den Wänden über den Heizkörpern kommen. Das ist aber nur ein äußerliches Zeichen. Darüber hinaus wird die Luftqualität derart verschlechtert, dass sie sogar krank machen kann.
Was kann zur Verbesserung der Wohnqualität getan werden?
Die erste Maßnahme ist sehr preisgünstig, und sie hilft gleichzeitig, erhebliche Kosten einzusparen. Die Heizung muss so eingestellt werden, dass sehr geringe Temperaturdifferenzen entstehen, Nachtabsenkungen oder das Absenken der Heizung am Tag sollte geringfügig ausfallen. 1 bis 3 Grad sind vollkommen ausreichend. Damit wird verhindert, dass die Wände und Möbel auskühlen und damit die angesprochene Luftwalze entsteht. In den meisten Wohnungen mit hohen Absenkungen wird die Luft mit sehr hohen gesundheitsschädlichen und kostenintensiven Heizkörpertemperaturen aufgeheizt. Das Aufheizen von massiven Wänden dauert zum Beispiel in der Regel mehr als 24 Stunden. Die Heizungsregelkurve muss auf die wirklichen Gebäudeanforderungen eingestellt werden. Das bedeutet, dass die Heizkörper bei Außentemperaturen über 10 Grad nur handwarm sein können. Die zweite und kostenintensivere Maßnahme ist eine Verbesserung der Wärmedämmung des Hauses, dadurch werden die Temperaturen der Innenoberflächen angehoben.
Nach Wärmedämmung der Außenwand ist die Oberflächentemperatur in diesem Beispiel nur noch 1 Grad Celsius niedriger als die Innenraumtemperatur. Das bedeutet eine Temperaturerhöhung durch die Wärmedämmung um 5,6 Grad. Die Auswirkungen sind: der Energieverlust ist deutlich geringer, die Wohnbehaglichkeit deutlich höher. Weitere häufige Nachteile von kalten Außenwänden, wie Schimmelpilz an den Außenwänden, können so vermieden werden.
Zur Hausdämmung gehören auch die Fensterflächen
Geprüft und verbessert werden sollten auch die Fensterflächen. Moderne Gläser dämmen bis zu dreimal besser als alte Thermopenverglasung aus den 70er und 80er Jahren und zehnmal besser als Einscheibenglas.
Zusätzlich haben moderne Fenster besser gedämmte Rahmen und die Fugen sind luftdicht. Auch das Dämmen der Decke oder des Daches trägt zur Verbesserung des Wohnklimas bei. Ebenso die Kellerdecke, wenn sie – falls es möglich ist – auch von unten gedämmt wird.
Bessere Wohnqualität durch das Verändern der Heizflächen
Große Heizflächen wie eine Fußbodenheizung verbessern ebenfalls die Behaglichkeit eines Raums. In den letzten Jahren sind Fußbodenheizungen mit geringem Aufbau auf den Markt gekommen, die sich besonders zur Altbausanierung eignen.
Zusammengefasst:
Eine erhöhte Oberflächentemperatur der umgebenden Wände bedeutet eine Verbesserung der Wohnqualität. Räume, in denen vor einer Sanierung 24 Grad Celsius gemessen wurden, können nach der Sanierung mit 19 bis 20 Grad bewohnt werden, ohne das ein Kälteempfinden bemerkt wird. Das Wärmedämmen bedeutet auch, dass bis zu 80 Prozent Energie gespart wird und sich somit die Maßnahme relativ schnell amortisiert. Amortisationszeiten von 15 bis 25 Jahren sind für Eigennutzer erreichbar.
Nachfragen bei den Nutzern in verschiedenen energetisch sanierten Gebäuden bestätigen die Aussagen zur Wohnbehaglichkeit.
Autor: Bernd Wulfestieg
Der Autor
Autor Bernd Wulfestieg ist Energieberater HWK, vereidigter Sachverständiger Heizung, Heizungsbaumeister und Referent für Anlagentechnik in Hannover.