Sie sind hier:  rootline  Technik  rootline  Fassade + Dach

Fassade + Dach

10.01.2012 11:52 Alter: 130 Tag(e)
Kategorie: Fassade + Dach

Die Anti-Schimmel-Creme

Bei vielen Gebäuden fehlt eine wirksame Außenabdichtung am Gebäude. Entweder wurde erst keine verbaut oder sie hat nach und nach ihre Wirkung verloren, wie es bei erdberührenden Bauwerksaußenabdichtungen vorkommt. Dann gelangt Feuchtigkeit in das Mauerwerk und steigt darin kapillar, entgegen der Schwerkraft auf.


Oben: Aufgrund ihrer Konsistenz lassen sich Injektionscremes auch unter schwierigen Randbedingungen einfach und anwendungssicher verarbeiten.

Unten: Systemkomponenten zum Verfüllen mit Injektionscreme.

Um Bauschäden zu vermeiden, muss man nun etwas tun. Empfehlenswert ist dann die Kombination aus einer nachträglichen Bauwerksabdichtung mit einer Horizontalsperre des Mauerwerks gegen aufsteigende Feuchtigkeit. Die Einsatzgebiete von Mauerwerksinjektion gegen kapillare Feuchte liegen in Sockelhöhe oberhalb der Geländeoberkante sowie in den Kellerinnen- und Außenwänden oberhalb der Stau- und Druckwasserebene. Ziel der Mauerwerksinjektion ist es nach Definition der Wissenschaftlich-Technischen Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege (WTA) „oberhalb der Horizontalabdichtung die Ausgleichsfeuchte des jeweiligen Baustoffs zu erreichen“ 1).

Regelwerk

Als anwendungstechnische Richtlinie für die Mauerwerksinjektion gegen kapillare Feuchte gilt das WTA-Merkblatt 4-4-04 1). Mit diesem Merkblatt bekommen Planende und Ausführende die Möglichkeit, zertifizierte Injektionsstoffe gegen kapillare Mauerwerksfeuchtigkeit bezüglich ihrer Eigenschaften und Anwendungsgebiete einzuordnen.

Wirkungsweise

Seit über 50 Jahren werden in immer wieder modifizierter Injektionstechnik flüssige Wirkstoffe gegen kapillar aufsteigende Mauerfeuchte nachträglich in Mauerwerke eingebracht. Drucklos, unter Verwendung von Vorratsbehältern nach dem Schwerkraftprinzip wirkend oder im Niederdruckverfahren werden Injektionsstoffe über Bohrkanäle in das Mauerwerk eingepresst. Vorbereitende Maßnahmen zur Senkung des Durchfeuchtungsgrads während der Verarbeitung wie Vortrocknung oder Aufheizung des Mauerwerks sind verfahrensbedingt. Durch die homogene Verteilung im Mauerwerksquerschnitt sollen die speziellen Injektionsstoffe nach dem Wirkprinzip die kapillaren Poren

•    verstopfen,
•    verengen oder
•    nicht benetzbar machen oder
•    verengend und hydrophobierendwirken.

In der Praxis haben sich Injektionsstoffe, wie Paraffine, Silikonate, Alkalisilikat, Alkalimethylsilikonat, Siloxane, Polyacrylatgel, Polyurethanharz und Silikonmikroemulsionen, bewährt.

Produkttechnologie

Ein Meilenstein in der Entwicklungsgeschichte der Produkte gegen aufsteigende Feuchte stellen die seit dem letzten Jahrzehnt verfügbaren Produkte in cremeförmiger Konsistenz dar. Diese Cremes sind anwendungsfertig, basieren auf Silanen und/oder Siloxanen und zeichnen sich durch einen sehr hohen Wirkstoffgehalt mit bis zu 80 Prozent aus. Von den flüssigen Produkten heben sie sich insbesondere durch ihre verarbeitungstechnischen Vorteile ab, weil sie aufgrund der cremeförmigen Konsistenz selbst aus waagerecht gebohrten Bohrlöchern nicht herauslaufen. Aus dem gleichen Grund müssen Kavernen und Hohlräume vor dem Verfüllen mit einer Injektionscreme nicht verschlossen werden. Eine zertifizierte, hoch konzentrierte Injektionscreme benötigt auch bei hohen Durchfeuchtungsgraden (bis zu 95 Prozent ± 5 Prozent) nur eine Bohrlochbefüllung.

Nachträgliche Injektionen von feuchten Mauerwerken werden seit Jahrzehnten erfolgreich angewandt, um oberhalb der Injektionszone die Ausgleichsfeuchte des Baustoffs oder Wandbildners zu erreichen. Der Erfolg dieser Maßnahmen gegen kapillar aufsteigende Feuchtigkeit ist neben der sachgerechten  Planung  und Injektionstechnik abhängig von der fachgerechten Ausführung.

Thomas Rosenberger
Rainer Spirgatis


Fußnote:
1) WTA-Publications, Ingolstädter Straße 102 , D-85276 Pfaffenhofen, www.wta.de, E-Mail: wta@wta.de