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Denkmalschutz

18.07.2011 14:06 Alter: 306 Tag(e)
Kategorie: Denkmalschutz, Fassade + Dach

Dämmung und Design im Doppelpack

Die Vermieter sind vor ein grundsätzliches Problem gestellt. Einerseits steigen die Anforderungen an einen zeitgemäßen energetischen Standard, andererseits soll der Wohnraum bezahlbar bleiben. Die Kernfrage lautet: Können Wohnungen im Bestand warmmietenneutral energetisch saniert werden? Eher nicht, aber es gibt keine pauschal gültige Antwort, denn kein Altbau gleicht dem anderen. Nützlich kann es aber sein, die Handlungsalternativen zu betrachten.


Das energetische sanierte Wohnhaus in der Stuttgarter Mörickestraße ist ein echtes Schmuckstück. Die Natursteinfassade steht unter Denkmalschutz und musste erhalten bleiben.

Damit sich eine energetische Sanierung für die Beteiligten rechnet, müssen alle Aspekte auf den Prüfstand. Ein Idealfall ist die Kopplung energetischer Maßnahmen mit sowieso anstehenden Modernisierungs- und Instandsetzungsarbeiten. Dann sieht die Kalkulation sehr viel freundlicher aus. Wenn weiterhin die strategische Bewertung des Gebäudes ergibt, dass ein Wärmedämm-Verbundsystem für die Fassade nicht infrage kommt, rückt die Innendämmung in den Fokus der Betrachtung.

Hier hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Vor zwei Jahren, auf der Messe Bau 2009, wurde das neue 
Innendämmsystem IQ-Therm von Remmers erstmals präsentiert. Kernidee der patentierten Erfindung ist eine kapillaraktive Dämmplatte, die die Feuchtigkeitsanreicherung im Wandquerschnitt verhindert. Das System erhielt auf Anhieb den Innovationspreis Altbausanierung. Inzwischen wurden zahlreiche Wohnbauten mit IQ-Therm energetisch saniert. Dazu gehört auch das Wohnhaus in der Stuttgarter Mörickestraße.

Generalsanierung eines Gründerzeithauses

Der Massivbau wurde 1889 in einer vom aufstrebenden Bürgertum bevorzugten Gegend als Wohnhaus errichtet. Die repräsentative Straßenfassade in Sandstein, andere Bereiche als Ziegelmauerwerk mit strukturiertem Putz. Im 2. Weltkrieg wurde das Gebäude durch Bomben stark zerstört und brannte aus. Nur die Außenwände, der Keller und zwei bis drei Deckenfelder über dem Erdgeschoss und dem 1. Stock blieben stehen. Erst 1952 erfolgte der Wiederaufbau als Verwaltungsgebäude einer Versicherung.

Projektbeschreibung

Das Gebäude diente vor der Generalsanierung 2010 und 2011 einer kirchlichen Institution als Verwaltungsgebäude. Es verfügte über einen Veranstaltungssaal, das Dachgeschoss war als Wohnheim für sechs Priester ausgebaut. In jedem Geschoss befand sich eine Verwaltungseinheit mit etwa 400 Quadratmeter Grundfläche. Die Gebäudehülle und Haustechnik waren noch intakt, jedoch auf einem völlig unzureichenden energetischen Standard. Der Investor plante die Umnutzung zu einem Wohngebäude und entschied sich für eine Entkernung und den Neuaufbau. Freie Bahn also für die mit der Planung beauftragten ARP Architekten Partnerschaft, Stuttgart. Da eigentlich nur noch die Fassade bauzeitlich erhalten und von denkmalpflegerischem Interesse war, konnte der Ausbau weitgehend nach aktuellem Stand der Technik erfolgen. Die Holzkonstruktion des Daches wurde so verändert, dass eine zweite Dachgeschossebene geschaffen werden konnte. Außen wurden fünf Balkone in Stahlkonstruktion angebaut, die strukturierte Putzfassade und die Natursteinfassade wurden saniert. Um kleinere Einheiten zu schaffen, versetzte man innen tragende Wände oder baute nicht tragende Wände in Trockenbauweise. Die neuen Holzfenster erhielten eine Sprossenteilung in Anlehnung an das historische Vorbild.

Sanierungs- und Energiekonzept

Das Sanierungskonzept wurde auf Nachhaltigkeit ausgelegt, weshalb der Energieeffizienz trotz denkmalgeschützter Bausubstanz ein hoher Stellenwert beigemessen wurde. Um die KfW-Förderung für ein Effizienzhaus 70 zu erhalten, musste eine optimale Wärmedämmung in Verbindung mit effizienter Wärmeerzeugung eingesetzt werden. Wegen der denkmalgeschützten Fassade war nur eine Innendämmung möglich. Zum Einstatz kam das IQ-Therm-System von Remmers. Das Dach erhielt eine konventionelle Dämmung mit Mineralwolle, die Bodenplatte einen schwimmenden Estrich auf PU-Dämmung. Weil sich das Grundstück nicht für Geothermie eignet und auch Solarkollektoren nicht erlaubt wurden, fiel die Wahl bei der Energieerzeugung auf die Kraft-Wärme-Kopplung durch ein gasbetriebenes Mini-BHKW mit einer Spitzenlastabdeckung durch eine zusätzliche Gastherme. Alle Wohnungen haben eine Warmwasser-Fußbodenheizung im schwimmenden Heizestrich.

Abschluss mit Systexx-Wandbelägen

Da die Kapillaraktivität des Gesamtsystems IQ-Therm von ausschlaggebender Bedeutung ist, musste bislang auf ein Finish mit Tapeten verzichtet werden. Üblich war eine Schlussbeschichtung der glatt gespachtelten Flächen mit der Spezialfarbe IQ-Paint. Dazu gab es keine Alternative. Bei dem Bauvorhaben in Stuttgart wurden erstmals die glasbasierten Wandbeläge Systexx von Vitrulan im Gesamtsystem eingesetzt. Es ist der derzeit einzige Wandbelag mit geprüften Sd-Werten. Alle Gewebe liegen laut TÜV-Zertifikat unter dem Wert von 0,14 m und sind damit geeignet.

Als gestalterisches Element haben Systexx-Wandbeläge eine große Bedeutung, hinzu kommt ein enormes funktionales Potenzial. Die armierenden Wandbeläge weisen hervorragende Ergebnisse bei allen entscheidenden bauphysikalischen Kriterien sowie Stossfestigkeit, Brandschutz, Abriebfestigkeit und Rissüberbrückung auf. Schäden durch die alltäglichen Belastungen einer Wand werden so dauerhaft vermieden. Herausragend sind auch die ökologischen Qualitäten. Tests belegten, dass alle Produkte schadstoff- und allergenfrei sind, gemäß höchster Öko-Tex-Klassifizierung. Mit ihren zahlreichen Dessins und den TÜV-zertifizierten Eigenschaften eignen sich Systexx-Beläge deshalb für nahezu jede bauliche Anforderung in der modernen Innenraumgestaltung.


Hochwertige Wohneinheiten

Das drei- bis viergeschossige Gebäude mit seinem zweigeschossigen Mansarddach verfügte nach dem Umbau über 1875 Quadratmeter Nettogeschossfläche, die sich auf elf Wohneinheiten und ein Büro, mit Geschosshöhen bis über vier Meter, verteilen.