

Oben: Frederik A. Pinger (rechts) informiert sich über die neueste Pumpentechnologie.

Unten: Ein eigener Grundriss kann eingescannt und mit dem 3D-Raumplaner als Grundlage genutzt werden, um die Gebäudedaten aufzunehmen.
Für die KfW-Sonderförderung Energieeffizient sanieren ist ein hydraulischer Abgleich zwingend erforderlich. Der Fachmann tut sich allerdings mitunter schwer damit. Viele Kleinbetriebe bieten ihn ihren Kunden gar nicht erst an. Oft nach dem Motto: „Das lohnt sich nicht. Wir stellen lieber die Pumpenleistung höher.“ Durch eine Optimierung des Gesamtsystems lässt sich jedoch in vielen Fällen deutlich Energie einsparen – und zwar mit weit geringerem Aufwand als bei anderen Sanierungsmaßnahmen. Der hydraulische Abgleich beinhaltet die Anpassung von Pumpe, Heizung, Armaturen und Regelung. Das Ergebnis ist eine optimale Verteilung der erforderlichen Heizwassermenge und damit eine richtig eingestellte Heizung. So bekommen die Heizkörper in jedem Raum genau die Wärmemenge, die erforderlich ist, um den Raum komfortabel zu beheizen. Ohne diese Abstimmung sind viele Heizkörper im Haus oft zu heiß, während andere, die weiter vom Heizkessel und der Umwälzpumpe entfernt stehen, nicht genug Wärme bekommen. Erhöht der Heizungsbauer nun den Pumpendruck, werden die pumpennahen Heizkörper überversorgt und die entfernten mit Glück etwas wärmer. So wird eine Menge Energie verschwendet.
Das Heizwasser folgt dem Weg des geringsten Widerstands, und der ändert sich auch bei einer erhöhten Pumpenleistung nicht. Deswegen geht der hydraulische Abgleich einen anderen Weg. Durch die Anpassungen werden die Widerstände für alle Heizkörper auf ein ähnliches Niveau gebracht. Der Volumenstrom im Rohrnetz wird passend zur erforderlichen Heizleistung so reguliert, dass das Heizwasser gleichmäßig durch die Anlage strömt. Verdeutlicht wird das auch dadurch, dass die Fließgeräusche innerhalb der Anlage stark verringert oder ganz verschwunden sind.
Plädoyer für den hydraulischen Abgleich
Frederik A. Pinger, Gebäudeenergieberater aus Osthofen in Rheinhessen, betont, dass die moderne Heizungstechnologie heute viel präzisere Einstellungsmöglichkeiten erlaubt als früher. „Deswegen können und müssen Heizungsanlagen auch genauer auf das jeweilige Gebäude eingestellt werden.“ Nach Überzeugung des Zentralheizungs- und Lüftungsbaumeisters ist das ein Gebot der Fairness gegenüber dem Kunden. Denn nur mit einem hydraulischen Abgleich könne dieser von einer neuen Heizungsanlage optimal profitieren.
Pingers Spezialgebiet sind die Planung und Erweiterung von Heizungsanlagen für Ein- und Mehrfamilienhäuser. Mit seiner Arbeit unterstützt er kleinere Handwerksbetriebe der Region, die selbst weder Energieberatung noch hydraulische Abgleiche durchführen können oder wollen. Die meisten Aufträge stammen aus der Altbausanierung. Eigenheimbesitzer sind im Moment schwerer zu überzeugen, ihr Haus energetisch zu sanieren. Hier bietet der hydraulische Abgleich nicht nur einen guten Effekt für verhältnismäßig wenig Geld. Er kann gleichzeitig die Basis für eine langfristige Kundenbindung bilden, wenn durch eine gute Beratung Interesse an nachhaltigen Sanierungskonzepten geweckt wird.
Dem Endverbraucher rät Pinger, sich nicht von den Kosten abschrecken zu lassen, denn die können für ein Einfamilienhaus je nach Größe 400 bis 500 Euro betragen. Er sollte in die gute Beratung investieren, weil sie zu einem energieeffizienteren Heizen führt. Dem Energieberater rät er ergänzend, den hydraulischen Abgleich nicht als Extraposten anzubieten, sondern ihn fest im Angebot zu verankern. Dafür muss er dem Kunden natürlich überzeugend darlegen, dass die zusätzlichen Kosten sinnvoll sind und sich relativ schnell rentieren werden.
Hier gilt es, die Kundenbindung im Auge zu behalten. Neben Vorteilen wie einem niedrigeren Energieverbrauch und den wegfallenden oder zumindest stark verringerten Fließgeräuschen haben die Kunden auch einen weiteren Vorteil. Im Gespräch mit dem Fachplaner lernen sie die komplexen Brennwertgeräte besser kennen. Dem Energieberater bietet sich die Chance, wertvolle Tipps weiterzugeben. Es ist also eine besondere Dienstleistung am Kunden gefragt, immer mit Blick auf eine größtmögliche Kundenzufriedenheit, die sich langfristig in Folgeaufträgen oder Empfehlungen im Freundes- und Bekanntenkreis niederschlagen kann.
Software-Unterstützung für den hydraulischen Abgleich
Der Fachmann kann den hydraulischen Abgleich zwar mit einem Datenschieber oder auch anhand der Datenblätter der Hersteller durchführen, vorausgesetzt, er bringt die entsprechende Erfahrung mit. Aber der positive Effekt wird sich in Grenzen halten und bleibt letztlich nur eine Annährung an das optimale Ergebnis. Eine tiefer gehende Analyse ist nur über den Einsatz von Software möglich.
Frederik Pinger setzt bei seinen Beratungen das Programm Optimus Professional des Kölner Unternehmens Hottgenroth Software ETU ein. Für den Energieberater geht die Arbeit damit nicht nur effizienter und effektiver von der Hand, die Ergebnisse lassen sich auch besser präsentieren. Das Programm verfügt über eine ganze Reihe von Möglichkeiten, die Berichte optisch aufzubessern und individuell zu gestalten.
Fotos und CAD-Bilder, die sich in Optimus einbinden lassen, helfen dabei, die Maßnahmen verständlich zu erklären. Durch die anschauliche Aufbereitung ist es leichter, die Aufmerksamkeit des Kunden trotz des technischen Themas auch über einen längeren Zeitraum hin zu erhalten. Der Interessent schaltet nicht ab und bleibt der Beratung gegenüber offener, als wenn er sich durch eine reine Auflistung von Daten und Zahlen kämpfen müsste. Zudem trägt das Ergebnis durch einen höheren Wiedererkennungswert auch zur Eigenwerbung für den Energieberater oder Planer bei. Denn oft zeigen die Kunden die Berichte Freunden oder Bekannten, die sich ebenfalls für einen Abgleich interessieren.
Auch wenn Pinger Optimus Professional als benutzerfreundlich einstuft, empfiehlt er doch eine Schulung an der Hottgenroth Akademie (www.hottgenroth-akademie.de), um alle Vorteile der Software nutzen zu können. Hier sieht er auch eine Möglichkeit, jüngeren Mitarbeitern eine Zusatzqualifikation zu vermitteln, die dem ganzen Betrieb zugute kommt. Eine Software zum hydraulischen Abgleich kann auch Fachhandwerkern, die noch keine ausgebildeten Energieberater sind, die Chance bieten, dem Kunden Vorschläge zu einer verbesserten Energieeffizienz zu machen.
Die Software in der Praxis
Zu Beginn eines Projekts steht für Pinger immer ein ausführliches Kundengespräch. Hier werden die Erwartungen geklärt und mit den Möglichkeiten abgeglichen. Dazu gehört neben einer Bestandsaufnahme von Heizungsanlage, Rohrnetz und den weiteren Details auch ein Heizungscheck. Diese Daten kann er dann über die Optimus-Programmoberfläche in Tabellen eingeben. Es gibt jedoch eine Möglichkeit, die Datenaufnahme zu vereinfachen: Die Raumerfassungs-Software 3D-Raumplaner, ebenfalls entwickelt vom Kölner Softwarehaus Hottgenroth Software ETU. Über eine grafische Oberfläche kann ein Modell des Hauses relativ einfach und mit visuellen Rückmeldungen aufgebaut werden. Dafür lassen sich sogar Grundrisse des Gebäudes einscannen und als Grundlage für das Modell nutzen. Auf diesem Grundriss können dann die einzelnen Räume und Geschosse mithilfe der Maus oder durch die Eingabe von wenigen Koordinaten hochgezogen werden. Nach jeder Eingabe erfolgt eine Kontrolle in der 3D-Ansicht. So wird die Gebäudestruktur einfach und schnell dreidimensional nachgebaut.
Die gewonnenen Daten stehen daraufhin direkt in den weiteren Energieeffizienz-Programmen des Software-Anbieters zur Verfügung. Ein Import der Daten ist durch eine gemeinsam genutzte Datenbasis nicht mehr erforderlich. Die Software bringt unter dem Strich aber nicht nur Zeitgewinn und Arbeitserleichterung. Der Kunde bekommt anstelle einer Schnittzeichnung nun ein komplettes dreidimensionales Modell seines Hauses präsentiert.
Frederik Pinger hat dabei immer wieder die Erfahrung gemacht, dass dies sehr gut ankommt und den weiteren Weg vereinfacht. Seine Kunden können sich viel besser mit ihrer individuellen Lösung identifizieren. Und sie akzeptieren sie auch eher, weil sie ihr eigenes Haus vor sich sehen und nicht nur abstrakte Daten und Fakten. In Verbindung mit Optimus Professional können dann Dokumentationen und Berichte erstellt werden, in die neben dem Gebäudemodell auch noch Fotos oder sogar eigene Logos und Designs des Energieberaters einfließen. Diese Berichte liefert Pinger an seine Kunden aus, auf Wunsch gebunden oder im Dateiformat PDF auf CD.
Die Daten, die im 3D-Raumplaner gesammelt werden, gehen aber über das hinaus, was für den hydraulischen Abgleich mit Optimus erforderlich wäre. Mit der Gebäudeaufnahme liegen gleichzeitig auch die relevanten Daten für eine Energieberatung vor. Wenn sich der Kunde also später zu umfassenderen Maßnahmen entschließt, kann der Energieberater sehr schnell fundierte Maßnahmen vorschlagen.
Für Frederik Pinger beginnt die Arbeit für den hydraulischen Abgleich ähnlich wie für die Erstellung eines Energieausweises: Zunächst wird das Haus selbst aufgenommen. Hier müssen die Daten allerdings nicht unbedingt so detailliert sein wie für eine komplette Energieberatung. Im Anschluss erfasst er das Rohrnetz und die bestehende Heizungsanlage. Darauf folgt ein ausführliches Gespräch mit dem Besitzer, in dem weitere Details geklärt werden.
Im nächsten Schritt werden die Wärmeverluste des Hauses errechnet. Die Werte werden mit der Leistung der installierten Heizkörper verglichen. Zeigt sich, dass die vorhandene Leistung nicht zum Haus passt und eine neue Heizanlage sinnvoll wäre, müssen die übrigen Hauswerte analysiert werden. Möglicherweise lässt sich ein Brennwertgerät nur dann optimal nutzen, wenn weitere Maßnahmen durchgeführt werden. Das mag bedeuten, dass einzelne oder alle Heizkörper ausgetauscht werden müssen oder sogar neue Fenster und eine Dämmung für die Hauswände erforderlich sind. Im günstigsten Fall stellt sich aber heraus, dass allein mit einem hydraulischen Abgleich oder mit einer Kombination aus neuem Brennwertgerät und hydraulischem Abgleich schon eine signifikante Energieeinsparung erzielt werden kann. Optimus Professional ermöglicht dabei, alle relevanten Gebäude- und Anlagendaten zu erfassen und die Heizlast der einzelnen Räume zu bestimmen. Damit kann der Energieberater mithilfe des Programms die günstigsten Werte für Vorlauftemperatur, Anlagendruck sowie die Pumpen- und Thermostateinstellungen des Heizsystems ermitteln. Falls eine KfW-Förderung angestrebt wird, können daraufhin auch die entsprechenden Nachweise ohne weiteren Aufwand ausgestellt werden.
Die Beratung steht immer im Zentrum
„Die besondere Herausforderung für Energieberater ist es, auf den Kunden einzugehen“, so Pinger, „und zwar auch dann, wenn es länger dauert und dieser die Zusammenhänge nicht sofort versteht.“ Nur so könne eine Distanz des Kunden zum Thema überbrückt werden. Seiner Meinung nach tun Planer und Energieberater, die den hydraulischen Abgleich herunterspielen, der Branche keinen Gefallen: „Sie verspielen das zusätzliche Potenzial, das hier steckt.“
Die Software Optimus Professional unterstützt dabei nicht nur die rein technische Seite des hydraulischen Abgleichs, indem sie die Werte für ein optimales Zusammenspiel von Ventileinstellungen und Heizanlage ermittelt. Sie leistet auch bei der Kommunikation mit dem Kunden einen wertvollen Beitrag. Besonders die Möglichkeit, in Zusammenarbeit mit dem 3D-Raumplaner eine anschauliche Dokumentation mit individuellen grafischen Modellen zu erstellen, schafft eine hohe Akzeptanz für die vorgeschlagenen Maßnahmen.