

Oben: Das Mehrfamilienhaus in Bad Mergentheim vor der Sanierung.

Unten: Die energetische Sanierung ist gelungen.
Die 1924 als gemeinnütziges Wohnungsunternehmen gegründete Genossenschaft verfügt über einen Eigenbestand von etwa 260 Wohnungen und betreut darüber hinaus rund 700 Wohnungen in Fremdverwaltung. Weitere Standbeine sind das Bauträgergeschäft und die Maklertätigkeit. 80 Prozent des eigenen Wohnungsbestandes wurden in den 1950er und 1960er Jahren ohne jegliche Maßnahme zur Reduzierung des Energieverbrauchs errichtet. Im Rahmen ihres Modernisierungsprogramms hat die Kreisbau Main-Tauber bereits mehrere Objekte energetisch saniert. Der durchschnittliche Energieverbrauchskennwert aller Bestandsobjekte liegt zur Zeit bei 124 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr - mit weiter sinkender Tendenz. Die ehrgeizige Zielsetzung hierbei: Neben der optischen Verschönerung der Gebäude, den Energieverbrauch drastisch zu senken.
Zustand vor der Sanierung
Das 1961 errichtete Wohnhaus in der Herrenwiesenstraße 42 in Bad Mergentheim ist als mittleres Gebäude in einen Straßenzug mit drei gleichen Mehrfamilienhäusern eingebettet. Das Mehrfamilienhaus umfasst 17 Wohnungen auf sechs Etagen mit einer Wohnfläche von 1237 Quadratmetern, einer Nutzfläche von 1446 Quadratmetern und einem Beheizten Luftvolumen von 3616 Kubikmetern. Das Gebäude war bisher ungedämmt: Die Außenwände bestehen aus einschaligem Ziegelmauerwerk mit einer Dicke von 332 Millimetern. Die Wände waren innen mit einem 12 Millimeter starken Gipsputz und außen mit einem 20 Millimeter dicken Kalkputz verputzt. Sowohl die Kellerdecke als auch die oberste Geschoßdecke wurden aus Ortbeton mit einem schwimmenden Estrich hergestellt, jedoch wurde eine 2 Zentimeter starke Dämmung eingebracht. Jede Wohnung besitzt einen Balkon oder eine Dachterrasse. Das Mehrfamilienhaus verfügte über eine Öl-Zentralheizung mit zentraler Warmwasserversorgung aus dem Jahre 1978. Im Gebäude befindet sich ein Aufzug, der 1989 eingebaut wurde. In dieser Zeit wurde auch das Dachgeschoss ausgebaut und zwei Wohnungen eingerichtet. Der Energieverbrauchskennwert des Gebäudes lag vor der Sanierung bei 201 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr.
Ganzheitliche Betrachtung und Energieberatung
Zu Beginn der Sanierung wurde eine Energieberatung durchgeführt und die einzelnen Maßnahmen gemeinsam mit den Teilnehmern der Arbeitsgemeinschaft für die Wohnungswirtschaft besprochen. Die Bauleitung erfolgte durch das ortsansässige Architekturbüro Jochen Elsner. Für die Planung, Überwachung und Ausführung der Heizungs- und Sanitärarbeiten war das Ingenieurbüro Bernhard Hoos verantwortlich. Die Sanierung erfolgte im bewohnten Zustand. Im Rahmen einer Informationsveranstaltung hat die Kreisbau ihre Mieter rechtzeitig über die Maßnahmen informiert. Trotzdem mussten die Bewohner während der Bauphase eine erhebliche Belastung auf sich nehmen.
Durch die ganzheitliche Betrachtung der Gewerke durch die Arbeitsgemeinschaft für die Wohnungswirtschaft konnten die gewerksüberschreitenden Ausschreibungen so gestaltet werden, dass Detailanschlüsse wie Dach und Fassade gelöst wurden. Daher konnte eine zügige und nahezu perfekte Sanierung am Objekt durchgeführt werden. Bei den Sanierungsüberlegungen stand immer ein Optimum aus Wirtschaftlichkeit, technischen Regelwerken und Gesetzen im Vordergrund. Dies bedeutet, die Harmonie zwischen Gebäudehülle und Anlagentechnik zu finden.
Umfangreiches Maßnahmenpaket
Gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft für die Wohnungswirtschaft hat die Kreisbau am Gebäude in der Herrenwiesenstraße 42 in Bad Mergentheim in der Zeit von Juni 2009 bis Februar 2010 eine breite Palette energetischer Maßnahmen durchgeführt: Das Gebäude erhielt einen Vollwärmeschutz aus 14 Zentimeter dicken EPS-Fassadendämmplatten WLG 032. Damit konnte der Wärmedurchgangskoeffizient der Außenfassade von ehemal U = 1,13 W/(m²K) um mehr als 84 Prozent auf U2 0,19 W/(m²K) reduziert werden. Zudem wurde das Dach mit einer 14 Zentimeter dicken Aufsparrendämmung WLG 024, die Kellerdecke mit einer 12 Zentimeter dicken Dämmschicht versehen. Die Dachliegefenster wurden inklusiver neuer Außenrollos erneuert. Die alten Holzfenster mit Kunststoffverkleidung (Uw = 3,0 W/(m²K)) wurden gegen neue Fenster mit Drei-Scheiben-Wärmeschutzverglasung getauscht. Dadurch konnte ein Uw-Wert von 1,0 W/(m²K) erreicht werden. Wärmebrücken wie konventionelle Rollladenkästen und Steinfensterbänke wurden entfernt, ebenso wurden Haustüre und Treppenhauselemente ausgetauscht. Die vorhandenen Balkone wurden saniert und mit neuen Balkonverkleidungen versehen. Als Qualitätskontrolle ließ die Kreisbau eine Blower-Door-Messung durchführen sowie eine thermografische Aufnahme des Gebäudes erstellen.
Neues Energiekonzept mit Mini-BHKW
Erstmals hat sich die Kreisbau entschieden ein Mini-Blockheizkraftwerk (BHKW) einzusetzen. Das BHKW arbeitet modulierend: Das bedeutet, das BHKW kann seine Wärmeleistung dem Bedarf anpassen. Die Wärme wird für Warmwasser und zur Beheizung der Wohnungen genutzt. Die Grundlast kann das BHKW problemlos abdecken. Im Winter wird ein neues Erdgas-Brennwertgerät zugeschaltet, das die darüber hinaus gehende Wärme liefert. Ein Pufferspeicher mit 1000 Liter Inhalt sammelt die Wärme beider Wärmeerzeuger, so dass sie je nach Bedarf von den einzelnen Wohnungen abgerufen werden kann.
Mit der Kombination aus Gas-Brennwertkessel für Spitzenlasten und BHKW für die Grundversorgung mit Wärme sowie Strom verwirklichten Bauherr und Anlagenplaner Hoos ein zukunftsweisendes Konzept für eine wirtschaftliche und klimaschonende Haus-Energieversorgung. Es wird nun gegenüber dem alten Heizsystem, einem über 30 Jahre altem Öl-Heizkessel mit 330 Kilowatt, deutlich weniger Brennstoff verbraucht und zusätzlich Strom für den Eigenbedarf produziert. Ein weiterer Pluspunkt: Mit dem Mini-BHKW erfüllt die Kreisbau auch die Anforderungen der Erneuerbaren-Wärmegesetzes (EWärmeG), das seit 2010 für Bestandsgebäude in Baden-Württemberg gilt. Demzufolge müssen 10 Prozent der Wärme aus erneuerbaren Energien gewonnen werden; alternativ kann ein BHKW eingesetzt werden.
Das einem BHKW zugrunde liegende Prinzip der Kraft-Wärme-Koppelung ist denkbar einfach: Ein Verbrennungsmotor treibt einen Generator zur Stromerzeugung an. Dieser wandelt die mechanische Energie des Motors in elektrische Energie um. Die dabei entstehende Abwärme wird über einen Plattenwärmetauscher ausgekoppelt und zur Heizung und Warmwasserbereitung genutzt. Der zusätzlich zur Heizenergie produzierte Strom kann im Objekt genutzt oder gegen eine staatlich festgesetzte Vergütung ins öffentliche Stromnetz eingespeist werden. Mini-BHKWs verwerten die eingesetzte Energie auf diese Weise doppelt und erreichen so wesentlich höhere Wirkungsgrade als bei der getrennten Erzeugung von Strom und Wärme. „Energiesparendes Sanieren ist die beste Antwort auf steigende Energiepreise“ betont Kreisbau-Geschäftsführer Peter Deißler. Außerdem leisten wir einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, wenn wir Einsparpotentiale konsequent nutzen und damit den Ausstoß von Treibhausgasen reduzieren.
Aufgrund der durchgeführten energetische Sanierung wurde das Gebäude auf den Stand eines Neubaus - minus 30 Prozent – gebracht, das heißt: Der Energieverbrauch des Hauses liegt um rund 30 Prozent unter dem eines Neubaus (Standard EnEV 2007). Der berechnete Primärenergiebedarf des Gebäudes beträgt rund54 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr. Damit liegt das Gebäude optimal im grünen Bereich der Energieeffizienzskala. Nebenbei sei erwähnt, dass solche Vorhaben von der KfW durch Gewährung zinsverbilligter Kredite und Tilgungszuschüsse optimal gefördert werden. Die Kreisbau Main-Tauber wird ihr Modernisierungsprogramm in den nächsten Jahren weiter fortsetzen.