

Oben: Staatsministerin Lucia Puttrich (HMUELV) informiert sich in der Wärmeerzeugungsanlage in Raunheim über die Vorzüge des regionalen Brennstoffs Holz.
Gerade in ökologischen Belangen ist Zusammenarbeit ein wesentlicher Faktor zum Erfolg, global wie lokal. Ein gelungenes Beispiel zeigt sich im hessischen Raunheim: Urbana beliefert hier seit vier Jahrzehnten die Ringstraßensiedlung und damit 9000 Menschen mit Wärme. Sowohl die Wärmeerzeugungsanlage als auch das Wärmeversorgungsnetz der Wohnanlage mit mehr als 100 Übergabestationen sind Eigentum des Contractors. Im Sinne wirtschaftlicher und ökologischer Faktoren wurde nun modernisiert und auf die Wärmeerzeugung durch Holzpellets umgerüstet. So entstand Deutschlands größte Holzpelletanlage, in der pro Jahr etwa 5000 Tonnen Pellets verbrannt werden können.
Die Grundlast und damit 80 Prozent des Wärmebedarfs werden durch eine Anlage mit 4 Megawatt (MW) Wärmeleistung und automatischer Beschickung durch den nachhaltigen Brennstoff gedeckt. Mehr als drei Viertel der bisher eingesetzten fossilen Energieträger werden durch Holzpellets ersetzt. Auf fossile Brennstoffe wird nur bei Spitzenlasten zurückgegriffen, denn die Peaks werden durch zwei Backup-Kessel mit 5,8 und 3,7 MW abgedeckt.
Die Holzpelletanlage allein ist jedoch noch nicht die Besonderheit. Interessant ist die Kooperation mit der EVO, die als Energieversorger vor Ort auf den Umstieg auf regenerative Energien setzt. Bereits 10 Prozent der Stromversorgung werden durch nachhaltige Rohstoffe abgedeckt, in den nächsten Jahren sollen es 40 Prozent werden. Auf dem Weg dahin hat die EVO unter anderem ein eigenes Holzpelletwerk in Betrieb genommen, das seit Mai 2011 rund 65.000 Tonnen Holzpellets im Jahr produziert. Außerdem wurde in einem Pilotprojekt im Jahr 2007 ein Energiewald angelegt, in dem rund 10.000 schnell wachsende Hölzer wie Weiden und Balsampappeln herangezogen werden. Hier wird erforscht, wie ertragreich die Verarbeitung zu Brennstoff sein kann. Demnach liefert die EVO nachhaltige Holzpellets für die Heizanlage der Urbana – ein Kreislauf, in dem langfristig regionale Rohstoffe zu umweltverträglicher Energie werden.
Das Projekt in Raunheim spart jährlich 4700 Tonnen CO2, womit im Sinne des Kyoto-Protokolls wertvoller Umweltschutz geleistet wird. Die eingesparte Menge an CO2 entspricht dem durchschnittlichen Verbrauch von fast 1000 PKW bei einer Fahrleistung von 30.000 Kilometern pro Jahr. Für diese ökologische Leistung bekommt der Energiedienstleister durch Zertifikatverkauf knapp 15 Prozent der Investitionssumme in die grüne Heizanlage über das Joint-Implementation-Modellprojekt Hessen (JIM Hessen) gefördert. Das in Artikel 6 des Kyoto-Protokolls festgelegte Instrument der Joint Implementation und seiner Zertifikate ermöglicht es Industrieländern gemeinsam Klimaschutzprojekte durchzuführen und zu finanzieren und dabei Emissionen zu reduzieren.
Das macht Raunheim zum Teil eines weit mehr als regionalen Engagements zu ökologischer Wärmegewinnung. „Klimaschutz fängt im Kleinen an. Dies gewinnt umso mehr an Bedeutung vor dem Hintergrund der schwierigen Verhandlungen um ein Kyoto-Nachfolgeabkommen innerhalb der Weltstaatengemeinschaft. Die internationalen Bemühungen um den Klimaschutz sind ein wenig ins Stocken geraten. Es ist deshalb wichtig, vergleichsweise kleine Projekte wie das der Firma Urbana an die Öffentlichkeit zu bringen um zu zeigen, dass Klimaschutz auch mit einfachen Mitteln möglich ist“, unterstrich Staatsministerin Lucia Puttrich (HMUELV)während der Besichtigung.